Roboter-Assistent Pepper ist eine französisch-japanische Entwicklung und wird beispielsweise in der Bibliothek der TH Wildau als MItarbeiter eingesetzt.
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BerlinAlso, ich würde mich ja sehr gerne von einer Künstlichen Intelligenz unterstützen lassen. Und das nicht, weil bei mir – wie die Witzbolde unter Ihnen jetzt sofort gedacht haben – leider zu wenig natürliche vorhanden wäre. Sondern weil ich davon überzeugt bin, dass eine Künstliche Intelligenz, die die Form der aufmerksamkeitsheischenden Niedlichkeit (Opernroboter Myon) ebenso hinter sich gelassen hat wie den Nebenerwerb der Spionage (Alexa), den Großteil meines Alltags viel besser bewältigen könnte als ich selbst. Effizienter, eleganter und auf gleichbleibendem Niveau. Was im Übrigen nicht gegen mich, sondern eher gegen den Alltag spricht. Und weil ich gerne herausfinden würde, was ich mit meiner Zeit anstellen könnte, wenn alles Reproduzierbare von „jemand“ anderem getan würde, bin ich absolut für den Fortschritt in diesem Sektor. Aus humanistischen Gründen sozusagen. 

Allerdings wird es wohl noch etwas länger dauern, bis unsereiner den Nutzen von der Sache hat. Am 20. Dezember, bei der letzten Sitzung des Bundestages vor Weihnachten, gaben die Mitglieder der Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz (KI) einen Überblick über ihren Arbeitsstand. Und klopften dabei alle mit den besten Absichten und im Takt ihres jeweiligen Parteibuchs, aber intellektuell doch irgendwie mit Hammer und Meißel auf dem Thema herum. Drei Projektgruppen gibt es: zu „KI und Wirtschaft“, „KI und Pflege“ und „KI und Staat“.

Bundestagsdebatte zur Künstlichen Intelligenz.

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Der Refrain der fraktionenübergreifenden Beiträge war, dass natürlich niemand datenausbeuterische Zustände wie in China will, wo Bürgern auf der Grundlage der digitalen Bewertung ihres Sozialverhaltens (Social Scoring) gesellschaftliche Rechte beschnitten werden können. Gleichzeitig wollten die Abgeordneten aber auch auf keinen Fall, dass Deutschland den Anschluss an die international rasant voranschreitende Entwicklung im Bereich der KI-Anwendungen verliert. Oder vielmehr: noch weiter verliert. Mit eigenen Standards ganz schnell ins Handeln kommen und sich dann am besten an die Spitze setzen, war der Wünsch-dir-was-Tenor der Parteien.

Der Parteien? Nein, der der Linken nicht. Der geht es eigentlich schon jetzt zu schnell und vor allem zu heimlich voran, sie verlangt eine Bürgerbeteiligung in Fragen wie der, wieviel KI in den Ämtern und in der Öffentlichkeit eingesetzt wird, sowie eine Wertediskussion. Wenn Rollstühle in die Lage versetzt würden, barrierefreie Wege zu finden, dann fände sie das selbstverständlich gut, rief etwa die baden-württembergische Linke-Politikerin Jessica Tatti in die schütter besetzten Parlamentsreihen. Aber bei den meisten anderen Anwendungen sähe sie Diskussionsbedarf!

Vom Nutzen und Preis KI-gestützter Lebenshilfe

Nun ist der Gedanke an eine Stadt voll hilflos herumirrender Rollstuhlfahrer, die sich ratlos von einem Treppenaufgang zum anderen steuern, kein schöner. Aber eigentlich tun sie das ja auch jetzt schon nicht, und wenn Barrierefreiheit beim öffentlichen Bauen Standard wäre, hätte sich das Problem ohnehin erledigt. Tatsächlich zeigt das Beispiel, welches Frau Tatti in der zweifellos allerbesten sozialen Absicht gewählt hat, wie reflexhaft und kurz das Denken in Bezug auf den Nutzen und den Preis einer Lebenshilfe durch Künstliche Intelligenz noch ist.

Denn der selbst navigierende Rollstuhl wäre wohl nur scheinbar ein sozialer Zugewinn für Menschen mit körperlichem Handicap. Zum einen wird Betroffenen manchmal auch von Mitbürgern über Hindernisse schnell hinweggeholfen. Zeitverlust durch Umwege sowie Absonderung könnten die Folge KI-gestützter Navigation sein. Zum anderen ließe sich die Streckenführung von möglichen Werbepartnern manipulieren. (Auch mit dem Auto-Navi kann man ja plötzlich von der Autobahn ab- und einer Fast-Food-Bude zugeführt werden.) Vor allem aber würden dann alle Fahrten aufgezeichnet.

Wobei es ja nicht schlimm ist, wenn der Hersteller-Computer weiß, dass eine junge Rollstuhlfahrerin nach ihrem Einkauf bei dm (eigentlich wollte sie zu Rossmann, aber siehe oben ...) ins Kino gegangen ist und welchen Film sie dort gesehen hat. Aber vielleicht fährt sie auch mal in den Sexshop? KI + Rollstuhl = sozialer Daumen nach oben? Solange es keine Handypflicht und flächendeckende Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit gibt, wäre ein vernetzter Rollstuhl definitiv eine diskriminierende Maßnahme in Sachen Wahrung der Privatsphäre.

Der Mensch, nicht der Algorithmus, ist anfällig 

Oder nehmen wir diesen Punkt: Die Projektgruppe „KI und Staat“ ist bisher zu der vermeintlich volksberuhigenden Einsicht gekommen, dass in Verwaltungsprozessen „lernende künstliche Systeme keine Ermessens- oder Beurteilungsspielräume füllen dürfen“ wie es im Kommissionspapier heißt. Gleichzeitig wurde in der Bundestagsdebatte ständig wiederholt, dass nicht der Algorithmus, wohl aber der Mensch anfällig für Ungleichbewertung sei und man bei der Programmierung aufpassen müsse wie ein Luchs, dass einem da nichts unterkomme.

Wenn man nun aber aufgepasst hat und der Algorithmus  von Interessensverbänden auch rundum schwarmevaluiert wurde – ist dann nicht er, also der KI-Mitarbeiter, viel bewertungsstabiler als der einzelne Mensch, der vielleicht ja mal schlechte Laune und wegen einer unglücklichen Jugendliebe generell ein ungutes Verhältnis zu Rothaarigen hat? Müsste man also nicht vielmehr sagen: Gerade der Ermessensspielraum in der Verwaltung sollte möglichst ausschließlich von Künstlichen Intelligenzen genutzt werden dürfen?

Das Maschinelle: Gefeiert und gefürchtet nach dem Ende des Ersten Weltkrieges.

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Fragezeichen umkreisen dieses Thema wie Ringe den Saturn. Prinzipiell jedoch gilt es vielleicht, einen Perspektivwechsel vorzunehmen. Spätestens seit Einführung der Lochkarte und der fordistischen Fertigungskultur, also seit über hundert Jahren, richtet der Mensch den Menschen in immer weiteren Bereichen seines Lebens maschinenförmig zu. Das Ideal ist die Maschine, wobei wir, obwohl wir sie entwickeln und füttern, selbst im besten Fall weit hinter ihrer Leistung zurückbleiben. Dieser Wettlauf ist nicht zu gewinnen. Solange man das nicht anerkennt, bleiben wir in der gedanklichen Falle, zu glauben, über den Löwen in seiner eigenen Höhle herrschen zu können. Warum überlassen wir nicht dem Löwen, was des Löwen ist, und gehen lieber draußen, außerhalb der Höhle, spazieren?

Tatsächlich könnte man sich das Leben ziemlich weitreichend in KI-Hand vorstellen: vom Einkauf über die Hausarbeit bis zur Hausaufgabenkontrolle; und auch die meisten beruflichen Tätigkeiten können sehr gut von KI-Kräften erledigt werden. Wobei man nicht nur an KI-gestützte Generierung von Produkten, sondern auch an den ebensolchen Konsum denken darf. KIs bauen Autos, die sie kaufen, abbezahlen und durch die Stadt steuern. Und wir sitzen im Fond und lesen.

Die KI-Ökonomie wird uns Menschen mitfinanzieren

Denn  die Effizienz der KI-Ökonomie wird ausreichend Mehrwert abwerfen, um die Menschen mitzufinanzieren. Und zwar alle. Schon jetzt müsste niemand hungern auf der Welt. Wenn KIs ohne politische Vorteilnahme und diskriminierende Denk-Parameter die Nahrungsproduktion und -verteilung in ihre digitalen Hände nehmen dürften, gäbe es nicht mehr hier Butterberge und dort Unterernährung. Wobei es jedem natürlich freistehen sollte, die KI nach ihren Regeln tatkräftig zu unterstützen.

Aber man könnte sich auch tatsächlich der Freude widmen. Denn das plötzliche Lachen über einen Wortwitz, das Entzücken über eine Katze, die nichts anderes tut als mit ernstem Gesicht hinter dem Sofa aufzutauchen, die Rührung über ein Kind, das im Schlaf spricht, der Stolz über ein mit eigenen Händen geschaffenes Unikat oder die Ruhe, die einen erfüllt, wenn man Nebel aus Feldern aufsteigen sieht oder so lange Wellen zählt, bis einem die Zahlen ausgehen – diese von ganz Wenigem und manchmal auch von nichts ausgelöste Freude, die man als Energie und Inspiration in die Welt zurückfließen lässt, ist nicht zu programmieren. Sie könnte irgendwann das Einzige sein, das uns von den Peppers und Siris unterscheidet. Aber das für  immer.