Fernsehen gehört zum Alltag vieler Vorschulkinder. Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass sie aggressiv werden und schlechter schlafen. Auch die geistigen Leistungen können unter zu hohem TV-Konsum leiden. Erstmals hat sich nun eine Gruppe US-amerikanischer Forscher mit der Frage befasst, inwiefern Fernsehen die Fähigkeit beeinflusst, sich in andere Menschen einzufühlen. Wissenschaftler nennen das Empathie. Kleine Kinder entwickeln diese Fähigkeiten im Alter von drei bis fünf Jahren. Sitzen sie jedoch viel vor der Mattscheibe, ist sie weniger ausgeprägt, schreiben die Wissenschaftler im Journal of Communication.

Je früher Kinder fernsehen, desto weniger Empathie haben sie

„Kinder, die einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer haben oder bei denen er regelmäßig im Hintergrund läuft, können sich offenbar schlechter in mentale Zustände anderer hineinversetzen – also in Gefühle, Bedürfnisse, Ideen und Absichten“, sagt Amy Nathanson von der Ohio State University. „Je früher Kinder in Kontakt mit Fernsehen kommen, desto schlechter können sie auf die subjektive Verfassung eines anderen Menschen Bezug nehmen.“

Die Psychologin hatte gemeinsam mit ihren Kollegen den Fernsehkonsum von 107 Vorschulkindern aus mehreren Schulen und aus Elternhäusern mit unterschiedlichem Bildungs- und Einkommensniveau untersucht. Die Eltern gaben an, wie viele Stunden sowohl sie selbst als auch ihre Zöglinge täglich fernsehen und welche Programme sie schauen. Zudem testeten die Forscher das Einfühlungsvermögen der Kinder.

„Einerseits verhindert Fernsehen den sozialen Umgang mit anderen Menschen“, sagt Nathanson. Ständige Hintergrundgeräusche aus dem Flimmerkasten lenkten die Kinder von der Interaktion mit der Familie ab. Zudem seien die Figuren in Kindersendungen häufig sehr eindimensional. All dies trage dazu bei, dass Kinder weniger einfühlsam und kooperativ mit Altersgenossen und Verwandten umgehen. Sprachen die Eltern dagegen regelmäßig mit ihren Kindern über die Sendungen, die sie sahen, wirkte sich das auf ihre sozialen und empathischen Fähigkeiten positiv aus.