Seit 2010 wird der „Six Golden Pearls“-Award verliehen – für Umweltschutzmaßnahmen von Reedereien.
Foto: dpa/Costa Kreuzfahrten

BerlinFür Greta Thunberg waren zwei Törns über den Atlantik eine öffentlich wirklich wirksame Reiseart, um auf ihre Ermahnungen zum besseren Umweltbewusstsein hinzuweisen. Ein guter Ansatz – aber leider nicht umsetzbar für rund 28,5 Millionen Passagiere, die allein 2018 eine Reise auf Flüssen und Meeren unternommen haben. Immerhin haben sie wahrscheinlich über die Art des Urlaubs intensiver nachgedacht als vor zehn Jahren.

Damals war das Klima noch nicht so wichtig. Nach den Krisenjahren 2008 und 2009 wollte man einfach nur noch weg – dahin, wo es schön ist. Das Marktforschungsinstitut GfK hat 2010 herausgefunden, dass nur noch 17 Prozent der Deutschen planen, sich beim Urlaub einzuschränken. Lediglich vier Prozent wollten gar nicht verreisen. 92 Prozent der Befragten waren damals der Meinung, dass Urlaub auch in schwierigen Zeiten wichtig sei. Und die lagen ja gerade hinter uns.

Möglichst ökologisch verträglich – praktisch unmöglich

In den Folgejahren wuchs allerdings das Interesse am „sanften Tourismus“. 2010 bündelte zum Beispiel der Reiseveranstalter TUI erstmals umweltgerechte Reiseangebote unter der Überschrift „Grüne Welten“ und wollte damit die Zielgruppe der „Lohas“ erreichen – der bewusst konsumierenden Anhänger eines gesunden und nachhaltigen Lebensstils – Lifestyle of health and sustainability.

Nach dem Buchungsboom entwickelte sich das Umweltbewusstsein bei den Reisenden. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit stellte 2015 bei einer Umfrage fest, dass 27 Prozent der Urlauber meinten: „Mein Urlaub soll möglichst ökologisch verträglich, ressourcenschonend und umweltfreundlich sein.“

Heute, zehn Jahren nach den ersten wirklich bewussten Gedanken zum sanften Tourismus, wird deutlich: Das ultimative Verreisen ohne die Umwelt zu belasten gibt es nicht. Eine Person im Reisebus produziert im Durchschnitt 32 Gramm CO2 pro Kilometer, im Zug 41 Gramm, im Auto 142 Gramm, im Flugzeug 211 Gramm.

Die Wahrnehmung ändert sich

Flugreisen zum Vergnügen sollten also wohlüberlegt sein. Ein Flug von Deutschland auf die Kanarischen Inseln und zurück verursacht pro Person einen Ausstoß von etwa 1800 kg klimaschädlichem CO2. Mit einem voll besetzten Mittelklassewagen könnte man dafür etwa 45.000 km weit fahren.

Green Cruising? Um sich eine Kreuzfahrt – in Bezug aufs Klima – schönzureden, braucht es eine Menge Argumente. Der Nabu rechnet vor, dass ein Kreuzfahrtschiff pro Tag so viel CO2 ausstößt wie fast 84.000 Autos. Trotzdem hat sich in den letzten zehn Jahren die Anzahl der deutschen Kreuzfahrtpassagiere fast verzehnfacht. Für 2020 werden weltweit etwa 32 Millionen Kreuzfahrt-Passagiere erwartet.

Es passiert aber etwas im Bewusstsein der Reiseveranstalter. Seit 2010 wird der „Six Golden Pearls“-Award verliehen – für Umweltschutzmaßnahmen von Reedereien. TUI Cruises konnte die CO2-Emission pro Kreuzfahrtschiff und Übernachtung von 2015 bis 2018 um etwa 12 Prozent verringern. Das zweite Kreuzfahrtschiff von Aida Cruises mit Flüssiggasantrieb (LNG) wird „Aida Cosma“ heißen und im Sommer 2021 von Kiel aus in See stechen. Mit der „Aida Nova“ hatte der Anbieter aus Rostock im Dezember 2018 das erste LNG-Kreuzfahrtschiff der Welt in Dienst gestellt. Ein drittes LNG-Schiff ist für 2023 geplant.

Organisationen wie Atmosfair oder Myclimate bieten Kompensationsmöglichkeiten an. Hier kann man einfach eine spezifische Wunschmenge an CO2 kompensieren. Mit dem CO2-Rechner des Umweltbundesamts berechnet man die Emissionen selbst.