Albert Einstein war in Amerika eine Berühmtheit. Deshalb musste er seine Theorien manchmal auch Laien auf der Straße erklären. Er hielt sich dabei gerne kurz: „Wenn man zwei Stunden mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“

Auch bei der Falling-Walls-Konferenz, die am Sonntag zum sechsten Mal im Berliner Radialsystem stattfindet, sollen sich Forscher kurzhalten. In 15 Minuten sollen sie auf den Punkt kommen, die Ergebnisse ihrer Arbeit zusammenzufassen, so erklären, dass es jeder versteht und sich möglichst keiner langweilt. Eine Art Science-Slam für Spitzenforscher.

Ein Jahr lang haben die Organisatoren Empfehlungen von Experten eingeholt. Wer ist in seinem Bereich führend? Wer arbeitet an einem bahnbrechenden Projekt? Und weil es um wissenschaftliche Vorstöße geht, findet die Veranstaltung jedes Jahr am Tag des Mauerfalls statt, an dem Tag also, als auch in Berlin schon mal ein Durchbruch stattfand.

Mit dabei ist auch der diesjährige deutsche Nobelpreisträger. Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen. Er entwickelte die superauflösende Mikroskopie, die es möglich macht, detailgenau zu beobachten, was in lebenden Zellen passiert. Eine Revolution, denn bisher konnten Lichtmikroskope keine Strukturen abbilden, die kleiner waren als 200 Nanometer. Durch Stefan Hells Sted-Mikroskop jedoch läßt sich nun der Ablauf von Krankheiten genauestens beobachten, Forscher können zum Beispiel zusehen, wie gesunde Zellen und Krebszellen untereinander kommunizieren.

Wer hatte was mit wem vor 50.000 Jahren?

Die Astrophysikerin Lisa Kaltenegger vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie gilt als aufstrebender Star unter den Planetenjägern. Sie fahndet nach Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, sogenannten Exoplaneten. Forscher haben bereits über 100 solcher Himmelskörper gefunden. Lisa Kaltenegger stellt diese in Computermodellen nach, um festzustellen, welche atmosphärischen Umgebungen organisches Leben beherbergen könnten. So hofft sie, eines Tages Planeten zu finden, die so ähnlich sind wie die Erde.

Es geht auf der Berliner Falling-Walls-Konferenz aber auch in die Vergangenheit. Und zwar in eine, die sehr lange zurückliegt. Wer hatte was mit wem vor 50.000 Jahren? Damit beschäftigt sich Svante Pääbo am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er war der Erste, dem es gelang, die DNA-Sequenz einer ausgestorbenen Menschenart zu entschlüsseln. Er will wissen, was geschah, als die ersten modernen Menschen von Afrika nach Europa kamen und auf andere Menschenformen wie den Neandertaler oder den Denisova-Mensch trafen. Hatten sie Sex und zeugten sie Nachkommen?

Mittlerweile kann Sven Pääbo dieses Frage mit Ja beantworten. Er verglich das Neandertaler-Genom mit dem Erbgut heutiger Europäer. Darin fand er tatsächlich Spuren des Neandertalers, sie machen 1,6 und 1,8 Prozent des Genoms heutiger Menschen in Europa aus. Auch den ungefähren Zeitpunkt des Zusammentreffens der beiden Spezies hat Pääbo entschlüsselt: Vor etwa 50.000 bis 60.000 Jahren.

Im Zuschauerraum des Berliner Radialsystems versammelt sich zur Falling-Walls-Konferenz meist nur ein Fachpublikum, denn das Ticket kostet über 1000 Euro und die Plätze sind begrenzt. Im Livestream kann aber jeder von seinem eigenen Computer aus die 15-Minuten-Vorträge verfolgen.

falling-walls.com