Eigentlich ist es nicht weiter der Rede wert, wenn ein neuer Nagellack auf den Markt kommt. Das passiert schließlich ständig. Laut den einschlägigen Beauty-Postillen sollen wir unsere Nägel derzeit bevorzugt in knalliges Blau oder Gelb tauchen. Sehr hübsch sieht das zu leicht gebräunter Haut aus, eine wirkliche Innovation sind die aktuellen Nuancen jedoch nicht.

Das Produkt, das Rachid Laarar unter dem Namen Beautylope vertreibt, hingegen schon. Seit dem vergangenen Herbst ist der Lack erhältlich, momentan nur über den eigenen Online-Shop. Das Besondere daran: Beautylope ist halal.

Halal ist nicht auf Essen beschränkt

Moment. Ging es dabei nicht eigentlich um Speisevorschriften? Tatsächlich kannte man den arabischen Begriff für „erlaubt“ hierzulande bislang vor allem bezogen auf Lebensmittel, auf regelkonform geschlachtetes Fleisch etwa. Aufs Essen ist das Konzept jedoch nicht beschränkt. Warum sollte es erlaubt sein, sich ein Produkt auf die Haut zu schmieren, in dem etwa Bestandteile vom Schwein enthalten sind? Eben.

Rachid Laarar kam durch seine Frau auf die Idee für seinen Nagellack. Vor dem Gebet entfernte sich diese stets die Farbe von den Nägeln. Der Grund: Konventionellen Nagellack machen nicht nur seine Inhaltsstoffe für gläubige Muslime problematisch, sondern auch seine Konsistenz. Bei den rituellen Gebetswaschungen verhindert die Lackschicht, dass Wasser an alle Bereiche der Haut gelangt.

Viele Musliminnen verzichten aus diesem Grund ganz auf Farbe an den Nägeln, oder sie entfernen sie jedes Mal aufs Neue. Bei Laarars Lack (das Fläschchen kostet um 12 Euro) ist das nicht nötig: Er ist wasserdurchlässig und atmungsaktiv. Möglich wird das durch eine wasserbasierte Formel, frei von tierischen Bestandteilen – auch was die Farbpigmente betrifft – und chemischen Inhaltsstoffen wie Formaldehyd, Toluol und Campher. Das macht ihn besonders hautfreundlich sowie geeignet für Allergiker, Kinder und Veganer.

Begrenzte Haltbarkeit

Nur in Sachen Haltbarkeit kann er mit der Konkurrenz aus dem Drogerieregal nicht mithalten. Drei bis vier Tage hält er, dann kann man ihn ganz ohne Entferner einfach abziehen.
Dass Laarar mit seinem Produkt eine Marktlücke entdeckt hatte, bemerkte er an der Aufmerksamkeit, die er in der muslimischen Community erzielte – und nicht nur da. Er bekam viele E-Mails sowie Kommentare und Nachrichten in den sozialen Netzwerken.

Einige seien zunächst skeptisch gewesen, sagt er. Er müsse noch Aufklärungsarbeit leisten. Das Geschäft aber läuft inzwischen so gut, dass Laarar schon an neuen Produkten arbeitet. Er plant, das Sortiment auf Mineral-Make-up, Lippenstift und Lipgloss auszuweiten.