Dunkle Schweißflecken auf der Kleidung finden die meisten Menschen unschön und peinlich. Gerade im Sommer greifen daher viele zu Antitranspirantien. Das sind Deos, die nicht nur der Entstehung von Körpergeruch vorbeugen, sondern das Schwitzen an sich reduzieren.

Doch Antitranspirantien sind in Verruf geraten. Denn sie enthalten fast immer größere Mengen von Aluminiumsalzen – und die wiederum stehen schon länger in Verdacht, eine Rolle bei der Entstehung von Brustkrebs und Alzheimer zu spielen. Auch wenn die Studienlage insgesamt eher unklar ist, warnt inzwischen sogar das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) vor dem täglichen Gebrauch aluminiumhaltiger Deos.

Denn klar ist: In großen Mengen können Aluminiumsalze (in der Inhaltsstoff-Liste deklariert als Aluminium Chlorohydrate) das Gehirn, die Knochen und die Lunge schädigen. Aus Tierstudien weiß man zudem, dass sie sich in hohen Dosen negativ auf die Entwicklung eines Embryos auswirken.

Die Verbraucher nähmen bereits über Lebensmittel hohe Mengen Aluminium auf, heißt es in der Stellungnahme des BfR. Die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge (tolerable weekly intake, kurz TWI) sei dadurch bei einem Teil der Bevölkerung wahrscheinlich bereits ausgeschöpft. Bei langfristiger Anwendung aluminiumhaltiger Kosmetika könne der TWI-Wert womöglich dauerhaft überschritten werden und sich Aluminium im Körper anreichern, befürchten die Experten des BfR.

Brustkrebs und Alzheimer?

Das Leichtmetall Aluminium ist das dritthäufigste Element der Erdkruste. In seinen salzartigen Verbindungen kommt es natürlicherweise im Trinkwasser sowie in Früchten und Gemüse vor. Darüber hinaus findet es sich in manchen Zusatzstoffen von Lebensmitteln, beispielsweise in Farbstoffen, die zur Dekoration von Backwaren zugelassen sind. Auch aus Aluminiumgeschirr und -folie kann das Leichtmetall auf Nahrungsmittel übergehen.

Im Bereich der Kosmetika sind Aluminiumverbindungen nicht nur in Deos, sondern unter anderem auch in manchen Lippenstiften, Lidschatten und anderer Schminke enthalten. Darüber hinaus werden Aluminiumsalze in Medikamenten gegen Sodbrennen und säurebedingten Magenbeschwerden sowie als Wirkverstärker in Impfstoffen eingesetzt – weswegen manche Experten gerade die Mehrfachimpfungen von Säuglingen recht kritisch sehen.

Im Jahr 2008 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA (European Food Safety Authority) Grenzwerte für die wöchentliche Aufnahmemenge von Aluminium festgelegt, die als gesundheitlich unbedenklich gelten. Demnach sollte über die Nahrung pro Woche nicht mehr als ein Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht aufgenommen werden.

Die tatsächlichen Mengen, die mit der Nahrung in den Körper gelangen, sind allerdings nur schwer zu ermitteln. Noch mehr Unklarheit herrscht in der Frage, wie viel Aluminium der Körper durch Kosmetika über die Haut aufnimmt.

„Während man weiß, dass über den Magen-Darm-Trakt nur 0,1 bis 1 Prozent des aufgenommen Aluminiums in den restlichen Körper gelangen und der überwiegende Anteil über die Nieren wieder ausgeschieden wird, ist zu den Aufnahmemengen über die Haut nur wenig bekannt“, sagt Ralf Stahlmann vom Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Berliner Charité, Campus Mitte.

Auch das BfR fordert zu dieser Fragestellung dringend weitere Untersuchungen. Aus den bislang vorliegenden Studien leitet die Behörde allerdings ab, dass allein bei der täglichen Verwendung eines aluminiumhaltigen Deos die von der EFSA festgelegten Grenzwerte bereits überschritten werden könnten. Das mit der Nahrung aufgenommene Aluminium ist bei diesen Berechnungen noch gar nicht berücksichtigt.

Sicher ist außerdem, dass schon über kleinste Hautverletzungen größere Aluminiummengen als gewöhnlich in den Körper gelangen. Das BfR empfiehlt daher, zumindest direkt nach einer Achselrasur auf aluminiumhaltige Deos zu verzichten. Ob Aluminiumsalze das Risiko für Brustkrebs und Alzheimer wirklich erhöhen, ist wissenschaftlich allerdings noch nicht endgültig entschieden. Erstmals aufmerksam wurden Mediziner, nachdem man sowohl im Brustgewebe krebskranker Frauen als auch im Gehirn von Alzheimerpatienten auf erhöhte Aluminiumkonzentrationen gestoßen war. „Unklar ist aber bis heute, ob die höheren Aluminiummengen die Ursache oder eine Folge der Erkrankungen sind“, fasst Stahlmann die derzeitige Studienlage zusammen.

Die WHO kam bereits im Jahr 1997 zu dem Schluss, dass eine erhöhte Aluminiumaufnahme sehr wahrscheinlich nicht die Ursache einer Alzheimererkrankung sei. Seither hat sie dieses Urteil nicht revidiert. Die oberste Gesundheitsbehörde bezieht sich dabei unter anderem auf Versuche an Mäusen, die mit Aluminiumchlorid gefüttert wurden.

Widersprüchliche Studien

Bei hohen Dosen kam es bei den Tieren zwar zu neurochemischen Veränderungen im Gehirn, doch die für Alzheimer typischen Ablagerungen in und zwischen den Nervenzellen konnten nicht nachgewiesen werden. Auch epidemiologische Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Aluminiumgehalt des Trinkwassers und der Häufigkeit von Alzheimer untersucht haben, kamen zu keinen eindeutigen Ergebnissen.

Beobachtungen an Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, die sich einer Dialyse unterziehen mussten, zeichnen allerdings ein etwas anderes Bild. „Bei ihnen wurde in der Vergangenheit nicht darauf geachtet, die wässrige Dialyseflüssigkeit frei von Aluminiumsalzen zu halten, wodurch sich im Körper der Patienten Aluminium anreicherte“, berichtet Stahlmann. Manche von ihnen hätten daraufhin im Laufe der Zeit neurodegenerative Symptome entwickelt. Heutzutage erhalten Dialysepatienten daher grundsätzlich aluminiumfreie Lösungen.

Ähnlich uneinheitlich ist die Studienlage beim Thema Brustkrebs. So fand eine epidemiologische Studie einen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch aluminiumhaltiger Antitranspirantien und dem Auftreten von Tumoren; zwei andere konnten hingegen keine Verbindung ausmachen. In Tierstudien konnten selbst sehr große Mengen an verfütterten Aluminiumsalzen von bis zu 850 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht keine Tumore hervorrufen.

Die europäische Behörde EFSA betrachtet es daher als unwahrscheinlich, dass Aluminiumverbindungen in, wie sie sagt, ernährungsrelevanten Mengen beim Menschen Krebs erzeugen.

Der Berliner Toxikologe Ralf Stahlmann sieht ebenfalls keinen Grund zur Panikmache. „Menschen, die stark schwitzen und sehr darunter leiden, können ruhig weiterhin ein aluminiumhaltiges Antitranspirant verwenden – wenn auch vielleicht nicht gerade direkt nach einer Achselrasur“, sagt er. Und für alle anderen sei ein ganz gewöhnliches Deo ohnehin völlig ausreichend. Auch mitten im Sommer.