Berlin - Eine kleine Fortbildung zum Thema Krebs haben am Donnerstagabend mehr als 150 Leser der Berliner Zeitung absolviert. Zusammen mit dem rbb-Magazin Praxis hatte der Berliner Verlag zum zweiten Gesundheitsforum in den Großen Saal in der Karl-Liebknecht-Straße in Mitte geladen. Es zeigte sich, dass ein großes Informationsbedürfnis besteht – bei den Krebspatienten und ihren Angehörigen.

Die Referenten Peter Schlag, Direktor des Charité-Tumorzentrums, und Clemens Schmitt, Direktor des Molekularen Krebsforschungszentrums an der Charité, informierten die Besucher über den neuesten Stand der Krebsbehandlung und der Tumorforschung.

Sprechstunde im Verlag

Zuvor jedoch war Sprechstunde – und zwar eine besondere: Sieben weitere Krebsexperten der Charité nahmen sich zwei Stunden Zeit für Einzelgespräche. Und so wandelte sich das Foyer des Saals zu einem großen Wartezimmer mit Beratungsnischen. Das Angebot kam gut an. „Das ist eine tolle Idee. Die meisten Ärzte haben in der Praxis ja gar nicht so viel Zeit zu beraten“, sagte Manfred Zabel aus Lichtenberg.

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Besonders gefragt waren die Themen Naturheilkunde, Ernährung und Brustkrebs. Eine Leserin aus Marzahn wollte zum Beispiel von Charité-Ernährungsberaterin Maxi Neubauer wissen, wie sie ihren an Darmkrebs erkrankten, abgemagerten Ehemann am besten aufpäppeln kann. „Wählen Sie Vollmilch- statt Magermilchprodukte“, riet die Expertin. Außerdem solle er statt Wasser ruhig zwei bis drei Gläser Fruchtsaft täglich trinken, ordentlich Butter aufs Brot schmieren und zwischen den Hauptmahlzeiten einen kleinen Imbiss zu sich nehmen. „Es geht darum zu verhindern, dass Muskelgewebe abgebaut wird. Das ist bei Tumorpatienten eine große Gefahr“, sagte Maxi Neubauer.

Auch zum Thema Brustkrebs gab es viele Fragen. Dem Ehemann einer 69-jährigen Frau mit fortgeschrittenem Brustkrebs konnte Gynäkologin Dorothee Speiser vom Brustzentrum der Charité helfen mit dem Hinweis auf stärkere Schmerzmittel aus der Klasse der Opioide und mit wirksameren Arzneien gegen Übelkeit. Und ihre Kollegin Nikola Bangemann besprach mit mehreren Frauen, die gerade erst die Diagnose Brustkrebs erhalten hatten, wie die Therapie abläuft und wohin sie sich für eine moderne Behandlung wenden können. „In Berlin stehen wir in dieser Hinsicht gut da, es gibt hier neun zertifizierte Brustzentren“, sagte die Gynäkologin.

Moderne Therapiestrategien erläuterte Peter Schlag später ausführlich in seinem Vortrag. „Die Therapie ist viel präziser geworden“, sagte der Experte. Maßgeblichen Anteil daran hätten bildgestützte Therapien. Dank moderner Bildgebungsverfahren könne der Körper heutzutage in mehreren Schichten präzise durchleuchtet werden. Mithilfe mathematischer Algorithmen ließen sich die erkrankten Organe dreidimensional virtuell rekonstruieren. „Das erleichtert die Operationsplanung enorm. Wir können vorher zum Beispiel schon sehen, welche Gefäße in der Leber wir durchtrennen müssen, um den Tumor zu entfernen“, erläuterte Schlag.

Doch die Tumortherapie ist nicht nur präziser geworden, sondern auch individueller. Wie Charité-Forscher Clemens Schmitt berichtete, sind Wissenschaftler bemüht, die komplizierten Netzwerke in der Zelle zu verstehen. „So können wir den unkontrolliert wachsenden Krebszellen den Motor abstellen“, sagte er. Allerdings handele es sich dabei um eine Mammutaufgabe.

Es gehe darum, die richtigen Angriffspunkte an Krebszellen zu identifizieren. Relativ neu sind zum Beispiel Antikörper, die sich an eine Zielstruktur der Krebszelle binden und sie dann dem Abwehrsystem zur Vernichtung präsentieren. Schmitt: „Allerdings müssen wir dafür herausfinden, welche Patienten von diesen teuren Therapien profitieren. Nicht alles hilft jedem.“

Das nächste Gesundheitsforum der Berliner Zeitung findet statt zum Thema Diabetes am Donnerstag, 8. November, um 19 Uhr. Vorprogramm ab 17 Uhr.