Der Gebrauch von E-Zigaretten wird verharmlost. Sie verleiten junge Menschen zum Nikotinkonsum, sind womöglich gesundheitsschädlicher als gedacht und dürfen nicht länger frei und unreguliert verkauft werden. Davon sind acht medizinische Fachgesellschaften überzeugt, die sich mit den umstrittenen Nikotin-Verdampfungsgeräten befasst haben. Vertreter der Gremien, darunter die Deutschen Gesellschaften für Pneumologie, Kardiologie und Innere Medizin, stellten am Mittwoch in Berlin ein gemeinsames Positionspapier vor.

Die Experten befürchten, dass durch die zunehmende Akzeptanz von E-Zigaretten auch das konventionelle Rauchen wieder stärker toleriert wird. Überdies schade E-Zigaretten-Dampf der Gesundheit möglicherweise stärker als bisher angenommen, warnen sie. Aktuelle Studien legten den Verdacht nahe, dass auch Nikotin selbst krebserregend sein kann.

Bei gewöhnlichen Zigaretten schreibt man die Krebsgefahr vor allem dem Tabakrauch und dem Teer zu. Denn bei der Verbrennung von Tabak entsteht ein wahres Giftcocktail mit 90 krebserregenden Substanzen. Da E-Zigaretten ihre Füllung, ein sogenanntes Liquid – bestehend aus einem Gemisch von Propylenglykol und/oder Glyzerin, diversen Aromastoffen und zumeist Nikotin – nur verdampfen, geht man davon aus, dass sie harmloser sind. „Langzeiteffekte sind viel zu wenig bekannt, um aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht Entwarnung zu geben“, heißt es in dem Positionspapier.

Befürworter sehen E-Zigaretten als Hilfe bei der Rauchentwöhnung. Das Medizinergremium bezweifelt jedoch die Aussagekraft der bisherigen Studien zu diesem Thema: „Sie ist nicht im entferntesten so valide wie für qualitätsgesicherte multimodale Entwöhnungsprogramme.“ Entwöhnungswillige Raucher sollten lieber auf die bewährten Programme zurückgreifen.

Eine große Gefahr sehen die Experten vor allem für Jugendliche. „Durch Jugend-affine Geschmacksrichtungen und auf diese Gruppe gerichtete Werbung wird eine Zielgruppe zu einem vermeintlich harmlosen Konsum stimuliert“, warnen die Fachgesellschaften. Auf diese Weise werde der Einstieg in das konventionelle Tabakrauchen möglicherweise gebahnt.

Die freie und völlig unregulierte Verkäuflichkeit von E-Zigaretten und anderen Verdampfungsprodukten bezeichnen sie als nicht akzeptabel.

E-Zigaretten werden hierzulande seit rund sieben Jahren frei verkauft. Das Geschäft mit den kleinen, schicken Verdampfungsgeräten und den Liquids, die es in etlichen Geschmacksrichtungen von „Ice-fresh Tabak“ bis „Erdbeer-Käsekuchen“ gibt, floriert. Nach Brancheneinschätzungen gibt es in Deutschland inzwischen 2,5 Millionen Konsumenten. Im vergangenen Jahr verhalfen sie den Unternehmen zu einem Umsatz von 200 Millionen Euro.

US-Forscher um Stanton Glantz von der University of California in San Francisco haben sich jüngst mit den Motiven der Tabakindustrie befasst. In ihrer im Fachmagazin Circulation erschienenen Arbeit kommen sie zu dem Schluss, dass es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass die Konzerne, die konventionelle Zigaretten herstellen und derzeit stark in den E-Markt investieren, den herkömmlichen Markt herunterfahren wollen. Ihr Fazit: Es scheint eher um einen Ausweitung der Nutzergruppen zu gehen.