Immer mehr Werbeflächen werden bestückt und bald ist es im Stadtbild nicht mehr zu übersehen: Die Lange Nacht der Wissenschaften naht. Mit Slogans wie „Für eine Nacht in die Zukunft“ und „Für eine Nacht unter die Haut“ laden am  Sonnabend, 9. Juni, knapp 70 Einrichtungen in Berlin und auf den Potsdamer Telegrafenberg ein. Mit mehr als 2000 Veranstaltungen bietet die Lange Nacht für jeden etwas – ob Experiment, Laborführung, Science Slam oder Fachvortrag.

Bei einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch warb der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, für die Veranstaltung: „Über eine Viertelmillion Menschen studieren, lehren, forschen und arbeiten für die Wissenschaft in Berlin. Bei der Langen Nacht lässt sich hautnah erleben, welche Bedeutung die Wissenschaft in unserer Stadt hat.“

Ein Dutzend Tipps der Berliner Zeitung für die klügste Nacht des Jahres:

3D-Flug über den Roten Planeten

Eine Spezial-Kamera macht es möglich, Bilder der Esa-Mission Mars Express zu einem dreidimensionalen Film zusammenzufügen. Brille aufsetzen und über den  Mars wandern! Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Adlershof, Rutherfordstraße 2, 2489 Berlin. 17.30 bis 23.30 Uhr alle 60 Minuten. Ab 10 Jahren.

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Dandelion – das aufblasbare Auto

Forscher tüfteln an einem  komprimierbaren Leichtfahrzeug. Anhand eines Modells wird erläutert, wie ein solches Fahrzeug aussehen kann und welche speziellen Anforderungen an ein solches Transportmittel gestellt werden. Demonstration und Infostand, 18 bis 23 Uhr, Hochschule für Technik und Wirtschaft in Schöneweide, Wilhelminenhofstraße 75A,12459 Berlin.  Ab 10 Jahren.

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White Tub – Schwimmlabyrinth

Ein anderer Blick auf Tierversuche. Der Künstler Boris Hars-Tschachotin hat ein Verhaltensexperiment an Mäusen begleitet, mit dem die Alzheimersche Krankheit erforscht wird. Daraus entstand die Arbeit „White Tub“, eine Kombination aus begehbarem Erlebnisraum und einer Videorundprojektion. Film und Installation. Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Buch, Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin, Hermann-von Helmholtz-Haus. 16 bis 23 Uhr.

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Operieren am Mikroskop

Wie es in einem Operationssaal zugeht, wissen die meisten allenfalls aus TV-Serien wie Grey’s Anatomy. Echten Einblick in diese sonst vor neugierigen Blicken gut geschützten Räume bietet das Helios Klinikum Berlin-Buch. Besuche können sich durch die Operationssäle führen lassen und zum Beispiel erfahren, wie ein Magenbypass  gelegt wird, um stark übergewichtigen Menschen beim Abnehmen zu helfen. Kleine Chirurginnen und Chirurgen üben mit dem Operationsmikroskop  an harmlosen  Testobjekten  und entfernen Kerne aus Zitronenscheiben.Operationssäle – Mittelpunkt unseres Klinikums. Helios Klinikum Berlin-Buch, Führungen und Experimente von 16 bis 22 Uhr, Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin.

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Ladekriechtier für Elektrofahrzeuge

Eines Tages gehört vielleicht zu jedem Elektrofahrzeug so ein kleiner Helfer, der das Auto vollautomatisch mit Energie betankt. Der Charge Crawler kriecht selbstständig unter das Fahrzeug und positioniert dabei die Primärstation der induktiven Ladeeinheit am Fahrzeug. Nach dem Ladevorgang zieht sich der Charge-Crawler wieder in seine Box zum Aufladen zurück. Beuth Hochschule für Technik in Wedding, Luxemburger Straße 10, 13353 Berlin, Haus Grashof. Ab 17 Uhr.

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Sentire: Hören und Fühlen

Der Begriff "Sentire" kommt aus der italienischen Sprache und umfasst in seiner Bedeutung sowohl das Hören als auch das Fühlen. Forscher stellen ein Projekt vor, in dem sie die Wechselwirkungen beider Sinne untersuchen. Das Ziel: bessere Körperwahrnehmung und Achtsamkeit bei sich selbst und gegenüber anderen Menschen zu erzeugen. Eine installative Performance, bei der ein Sensor, die Nähe und die Berührungen zwischen zwei Menschen misst und in Klangform überträgt. Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Musik- und Medienwissenschaft, Am Kupfergraben 5, 10117 Berlin. Ab 17 Uhr.

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Einmal Pilot sein!

Für alle, die schon immer mal im Cockpit sitzen und mit dem Schubhebel einen 70 Tonnen schweren Airbus in die Lüfte heben wollten. Im Flugsimulationslabor des Fachgebiets Flugführung und Flugverkehr und fliegen Besucher über Berlin. 90-minütiges Mitmachexperiment. Technische Universität Berlin, Haus der Luft- und Raumfahrt, Marchstraße 12, 10623 Berlin. 18 und 21 Uhr. Begrenzte Platzzahl, Anmeldung vor Ort. Ab 10 Jahren.

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Ruhe bitte!

Alles rund um den Schall: Warum höre ich meinen Nachbarn, und wie funktionieren Schallschutzfenster? Im Akustiklabor lassen sich die Gegensätze zwischen einem schallschluckenden Raum, der zwar visuell, nicht aber akustisch begrenzt ist, und einem  Hallraum mit seinen schallreflektierenden Wänden erleben. Technische Universität Berlin, Akustiklabor, Einsteinufer 25, 10587 Berlin. 17 bis 23.30 Uhr alle 30 Minuten.

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Wo ist wie viel Wasser?

Forscher arbeiten nach wie vor daran festzustellen, wie viel Wasser sich in Atmosphäre, Gewässern und Boden – vor allem  im Untergrund – befindet. Die „Augmented Reality Sandbox“ verdeutlich die Arbeit der Hydrologen. Bei diesem Modell können  Besucher per Hand eine reale Landschaft nachbilden und so Gebirge, Flusstäler, Seen und Inseln modellieren. Das dabei entstehende Höhenmodell berechnet ein angeschlossener Computer und projiziert es in Echtzeit auf die Sandoberfläche. Der Clou: Durch ein Darüberhalten der Hände kann man es sogar regnen lassen und so Ereignisse wie Deichdurchbrüche oder Überschwemmungen nachstellen. Mitmachexperiment. Deutsches Geoforschungszentrum, Telegrafenberg, 14473 Potsdam, Haus H. Ab 17 Uhr.

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Sonnenforschung im Einsteinturm

Das markante Gebäude wurde zwischen 1919 und 1924 errichtet und dient noch heute der wissenschaftlichen Beobachtung der Sonne.  Wissenschaftler  erläutern, wie die moderne Sonnenforschung funktioniert und was Spektroskopie ist. Neben kurzen Vorträgen gibt es auch die Möglichkeit, einen Blick in das Labor des Einsteinturms zu werfen. Vortrag und Führung. Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam, Telegrafenberg, 14473 Potsdam, Einsteinturm. 18 bis 22 Uhr alle 60 Minuten.

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Stammzelle − Embryo − Organismus

Wie Gene die Entwicklung steuern. Regenerative Medizin und Stammzellbiologie sind ohne Entwicklungsgenetik undenkbar. Wissenschaftler stellen Embryonalstadien verschiedener Modelltiere vor und analysieren mit Ihnen die Aktivitätsmuster von Entwicklungskontrollgenen im Mausembryo. An Huhn und Maus zeigen sie, wie aus Alleskönnerzellen komplexe Organismen entstehen.  60-minütige Laborführung. Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Dahlem, Ihnestraße 63-73, 14195 Berlin. 17, 18.30, 20 und 21.30 Uhr.

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Der Gesichtsausdruck der Maus

Informationen über Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde. Dabei geht es vor allem um die Besonderheiten der am häufigsten, zu experimentellen Zwecken herangezogenen Tierarten. Dazu gehört die Maus. Präsentation mit Quiz. Freie Universität, Habelschwerdter Allee 45, 14195 Berlin, Rostlaube. Ab 17 Uhr.