Blick auf die Venus in einer Computersimulation.
Foto: NASA/Jet Propulsion Laboratory-Caltech

Cardiff/CambridgeFür die Bildzeitung ist die Sache klar: Die neueste Studie im Fachblatt Nature Astronomy sei ein Astro-Hammer, heißt es. Forscher hätten Hinweise auf Leben auf der Venus entdeckt, meldet das Blatt. Wenn man die Mitteilung des Nature-Magazins genau liest, wird jedoch klar, dass es sich bei dem Nachweis eines ungewöhnlichen Gases zwar durchaus um interessante Befunde handelt, einen Beweis für Leben auf unserem Nachbarplaneten stellen sie jedoch nicht dar.

Was also wurde entdeckt? Das Team um Jane Greaves, die an der University of Cardiff und der Cambridge University forscht, hat mithilfe von Teleskopen in den Wolken der Venus in 50 bis 60 Kilometer Höhe das Gas Monophosphan aufgespürt. Die Verbindung aus einem Phosphor- und drei Wasserstoffatomen (PH3) entsteht auf der Erde vor allem durch biologische Prozesse, die unter Ausschluss von Sauerstoff stattfinden.

Der Nachweis in der Venus-Atmosphäre sei kein belastbarer Beleg für eine biologische Quelle auf unserem Nachbarplaneten, betonen die Forscher. Er weise zunächst nur auf unbekannte geologische oder chemische Prozesse hin. In einer eigens einberufenen Pressekonferenz am späten Montagnachmittag schlossen die Autoren aber die Möglichkeit nicht aus, dass es Leben auf der Venus geben könnte.

Mit Teleskopen entdeckt

Monophosphan, veraltet auch als Phosphin bezeichnet, wird auf der Erde nur von Mikroorganismen oder industriell produziert. Wie das Gas auf der Venus entstanden sein könnte, ist den Forschern zufolge völlig offen. Zumindest fanden die Wissenschaftler bisher keinen bekannten chemischen Prozess, der das Gas dort produzieren könnte.

Die Wissenschaftler hatten die Venus mit dem James-Clerk-Maxwell-Teleskop auf Hawaii und dem Atacama-Teleskopfeld in den chilenischen Anden analysiert. Dabei entdeckten sie Spektrallinien, die nur bei Monophosphan vorkommen. Die Venuswolken stellen allerdings ein saures Milieu dar, das die Verbindung schnell zerstört. Sie muss also regelmäßig neu entstehen, um die gemessene Konzentration von rund 20 Teilen in einer Milliarde Teilen Atmosphäre (parts per billion, ppb) zu erklären.

Das Team untersuchte daher verschiedene mögliche Quellen für das extrem giftige Gas wie etwa Mikrometeoriten, Blitze und chemische Vorgänge in den Wolken und auf der Planetenoberfläche. Damit lasse sich die Herkunft des Monophosphans jedoch nicht erklären, berichten die Forscher. Das lege nahe, dass es auf der Venus bislang unbekannte fotochemische oder geochemische Prozesse gebe.

„Wir behaupten nicht, dass wir Leben auf der Venus gefunden haben“, sagte Ko-Autorin Sara Seager vom Massachusetts Institute of Technology am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz. „Wir haben das Gas Monophosphan detektiert, dessen Herkunft ein Geheimnis ist.“ Die Forscher schließen nicht aus, dass das Gas durch bislang unbekannte natürliche Prozesse entstanden sein könnte. Auf der Rangliste jener Himmelskörper im Sonnensystem, auf denen Leben möglich sein könnte, sei die Venus nun aber nach oben gerückt, sagte Seager. Für die Lösung der Frage wäre es von Vorteil, den Planeten zu besuchen, um Messungen vor Ort vorzunehmen, betont das Team in seinem Fachartikel.

Auf der Venus ist es aus irdischer Sicht nicht gerade lebensfreundlich. Die Temperaturen dort betragen 450 Grad Celsius und der Druck auf der Oberfläche ist hundertmal größer als auf unserem Planeten. Grundsätzlich ist es jedoch denkbar, dass die Bedingungen in den Wolken der Venus lebensfreundlich sind. Der Planet, ähnlich groß wie die Erde, ist von einer dichten Wolkendecke umgeben. Durch einen starken Treibhauseffekt herrschen auf der Venusoberfläche sehr hohe Temperaturen - es ist viel zu heiß für Leben. In den oberen Atmosphärenschichten könnten vergleichsweise moderate Temperaturen jedoch Leben erlauben, was zu den Spekulationen über schwebende Mikroorganismen geführt hat.