Ellie ist 19 Jahre alt und verliebt in Dina, aber sie hat auch eine brutale Gegnerin. 

BerlinEs ist eines dieser Spiele, die mit enormem Aufwand produziert worden sind. Es geht um Millionensummen, mehr als bei manch einer Hollywood-Produktion. Von daher dürfte es das Spiel des Jahres sein – und wird von der Fachpresse in den Himmel gelobt. 

Gleich am Anfang müssen wir ausreiten. Die Hauptfigur Ellie lebt offenbar in einer ländlichen Gemeinschaft, die immer wieder Patrouillen in die Umgebung schickt. Ellie ist dran, reitet durch ein Gebüsch, um eine Ecke, und plötzlich tut sich ein fantastischer Blick auf: ein Bach, weite Landschaft, von einem Hügel herab der Blick in ein Tal.

Dass dort andere Menschen wohnen, erregt die Charaktere im Spiel, ist offenbar etwas ganz Besonderes. Aber man möchte sich einfach nur an dieser Welt satt sehen. Es wirkt, als hätte das Spiel sich zur Aufgabe gemacht, einfach noch besser als das Western-Game „Red Dead Redemption 2“ auszusehen, das vermutlich doch aufwendigste und beste Game dieser Tage, bisher. Man sollte diese liebevolle Darstellung der Natur auch genießen. Warum? Dazu später mehr.

Zunächst eine Einordnung dieser kleinen Spielereihe: Schon der erste Teil von „The Last of US“  war vor sieben Jahren ein weltweiter Erfolg. Er reiht sich ein in den Trend der Spiele, die eine postapokalyptische Welt zeichnen, in der man sich dann zurechtfinden muss. Die Story geht so: Eine mysteriöse Pilzinfektion hat in Amerika die meisten Menschen in Zombies verwandelt, in der sterbenden Zivilisation richten sich einzelne Clans auf ein neues Leben ein.

Man spielte Joel, einen Mann, der ein Kind aufnimmt und sich mit ihm durch diese Welt kämpft. Nun im zweiten Teil steuern wir in der ersten Hälfte des Spiels genau dieses Kind, die inzwischen 19 Jahre alte Ellie. Ihr Ziehvater Joel wird von einer Unbekannten, einer etwas bulligen Frau namens Abby, brutal ermordet – offenbar aus Rache. Nun will Ellie ihrerseits Rache an der Rächerin nehmen. Die Hintergründe bleiben lange unklar, das Storytelling sieht es hier offenbar vor, dass man erst nach und nach versteht.

Eins aber versteht jeder schnell: Das neue Spiel wird ein Zweikampf Frau gegen Frau. Ellie gegen Abby. Abby gegen Ellie. Diese blutige Jagd wird das Spiel bestimmen. Und wir müssen morden – Messer in Kehlen rammen, Menschen verbrennen, einmal foltert man eine Frau zu Tode, um etwas zu erfahren. Das Spiel ist voller ekelhafter Momente.

Das ist alles höchst erstaunlich, denn andererseits geht es um eine rührende lesbische Beziehung, die man hier auch miterlebt. Diese Liebesgeschichte zwischen Ellie und Dina, die sich auf einer Party kennengelernt haben, wird voller Wärme erzählt.

Großartig wirkt auch ein Perspektiv-Wechsel, der in der Mitte des Spiels vollzogen wird: Plötzlich steuert man die andere Figur, die bisher der große Feind war – nämlich Abby, die Gegnerin von Ellie. Das ist zuerst ein kleiner Schock, doch nach und nach lernt man, die vermeintlich böse Mörderin zu  verstehen. Bis überhaupt nicht mehr klar ist, wer die wirklich gute Protagonistin ist.

Das Spiel springt immer wieder in der Zeitstruktur, wechselt also nicht nur die Hauptperson, sondern auch Ort und Zeit. Rückblicke führen heraus aus dem Dauergemetzel in die Vergangenheit. Wir erleben einen Tanzball, den ersten Kuss zwischen Ellie und Dina, und sofort die lesbenfeindliche Reaktion eines Mannes aus der Partygesellschaft. Das könnte ein treffsicherer Kommentar zum Zeitgeist sein. Leider geht aller Inhalt immer so schnell in Blut wieder unter.

Eigentlich sollte das Spiel im April erscheinen, als die weltweiten Corona-Maßnahmen kamen, hat Sony den Erscheinungstermin hektisch auf Juni verschoben. Offenbar erschien es dem Konzern als zu provokativ, dass es in dem Spiel um eine Art weltweites Virus geht, das die Zivilisation vernichtet. (Und selbstverständlich um die Tatsache, dass kein Elektromarkt geöffnet hat, um es zu verkaufen.)

Die Epidemie-Thematik spielt im Game selbst allerdings kaum noch eine Rolle. Es gibt auch Zombies in dieser Welt, und sie greifen immer wieder an. Aber während sie im ersten Teil des Spiels noch die Hauptsache waren, wirken sie nun nur noch wie ein dekoratives Element. Es geht um die Rivalitäten der Menschen. Die verschiedenen Clans, die überlebt haben, halten nicht zusammen, sondern bekämpfen einander.

Das ist die traurige Aussage, die von diesem Spiel bleibt. Man muss diesen Kampf auch selbst führen. Bei anderen Spielen gibt es oft die Auswahl, ob man Gegner nur betäubt, oder zu Boden schlägt – hier nicht. Alle müssen sterben.

Das ist seltsam, denn das Spiel ist in seinen guten Momenten viel zu modern für so eine Haudrauf-Ästhetik. Im Herbst erscheint die Playstation 5 und da wird mit einer neuen Generation von Spielen alles anders – kann man jedenfalls nur hoffen. Es fließt einfach zu viel Blut. 

Ärgerlich auch, dass es Leute gibt, die sich offensichtlich gezielt zum sogenannten Review-Bombing verabredet hatten. Also organisiert schlechte Bewertungen abgegeben haben, weil im Mittelpunkt des Spiels ein lesbisches Paar steht. 

„The Last of Us 2“ ist nur für die Playstation 4 erschienen. Spieldauer etwa 20 bis 30 Stunden. Der Preis: 70 Euro

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