Gebäude und Stadtentwicklung: Durch Wärmedämmung könnte der Energiebedarf um 78 Prozent im Jahr 2050 gesenkt werden. Um das zu erreichen, muss die Sanierungsrate der Gebäude von derzeit einem Prozent jährlich erhöht oder gar verdoppelt werden. Allerdings sehen die Wissenschaftler auch, dass Sanierungskosten in jüngerer Zeit zu immer höheren Mieten führten. Sie fordern deshalb Maßnahmen, um zu erreichen, dass erhöhte Kaltmieten über sinkende Heizkosten bezahlbar bleiben – auch für geringer verdienende Haushalte. Fritz Reusswig nennt als Beispiel das Quartier Marienfelde Süd der degewo: „Hier werden zum Beispiel bis 2015 die rund 2500 Wohnungen aus den frühen 1970er-Jahren umfassend modernisiert und energetisch saniert.“ Zwei Blockheizkraftwerke mit Biogasbeimischung und Photovoltaikanlagen sollen künftig effizient heizen. Die Bruttowarmmiete werde sich aber nur um gut 8 Prozent für Altmieter und 10 Prozent für Neuvermietungen erhöhen.

Die Wissenschaftler raten, berlinweit viele lokale Fernwärmenetze zu installieren. Eine mehr dezentrale Wärmeversorgung könnte nicht nur Öl- und Gasheizungen ablösen, sondern auch als Energiespeicher dienen, wenn sie sinnvoll mit Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen verknüpft wird. „Vattenfall installierte in Reinickendorf eine solche Lösung mit 1900 Wohnungen und will im Verbund mit einem Pufferspeicher 600 Tonnen CO2 jährlich einsparen. Die Mieter können aus dem hauseigenen Kraftwerk auch leicht verbilligten Strom beziehen“, sagt Hanno Balzer, Leiter des Bereichs Solutions der Vattenfall Europe Wärme AG. Ein ganzes computergesteuertes Netz solcher Kleinkraftwerke böte dem Energieversorger künftig die Möglichkeit, flexibel Strom- und Wärmebedarf zu befriedigen, ohne mehrere Großkraftwerke rund um die Uhr auf Vollast zu fahren.

Verkehr: Wenn sich die zukünftige Stadtentwicklung konsequent am Leitbild einer „Stadt der kurzen Wege“ orientiert, dann kann viel Verkehr vermieden werden. Die Stadtstruktur Berlins mit ihren vielen Kiez-Zentren bietet dafür sehr gute Voraussetzungen. Auch im Wirtschaftsverkehr lässt sich viel Verkehr vermeiden, und zwar mit neuen „smarten“ Logistikkonzepten, wie sie zum Beispiel Adlershofer Verkehrsforscher für Unternehmen entwickeln. Die Berliner könnten noch viel öfter statt des eigenen Autos öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder die Füße benutzen. Dazu müsste das Wegenetz entsprechend umgebaut werden. Die Autoren der Studie schlagen eine enge Vernetzung von Angeboten wie Leihautos, Leihrädern und öffentlichem Verkehr vor – mit möglichst einem einzigen Ticketsystem.

Auch sollten erste Ansätze für effektivere Antriebssysteme, sprich: Gas- oder Elektrofahrzeuge, über Firmen- oder Carsharing-Flotten verbreitet werden. Berlin ist eines der bundesdeutschen „Schaufenster Elektromobilität“. Die Stadt konnte die Zahl der E-Fahrzeuge in den vergangenen Jahren schon vervielfachen, auch wenn es bei Weitem noch nicht genug sind. Im März 2014 waren es 1300, nur wenige davon Privatfahrzeuge. Die Technische Universität (TU) Berlin hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, dass im Jahre 2015 in Berlin der Betrieb von E-Bussen auf der BVG-Linie 204 starten soll. Das ist ein Anfang, bei dem man nicht stehenbleiben sollte. Die Studie orientiert zugleich darauf, die Treibstoffe, ob Strom oder Gas, auch aus erneuerbaren Energien herzustellen.