Wissenschaft 2022: Weltraumteleskop ist top, Chinas Null-Covid-Politik ist Flop

Das Magazin Science hat wieder die wissenschaftlichen Durchbrüche des Jahres gekürt. Es geht um Entdeckungen im Weltall und Fortschritte in der Medizin.

Das Webb-Teleskop lieferte das bisher tiefste und schärfste Bild des Universums mit unzähligen Galaxien.
Das Webb-Teleskop lieferte das bisher tiefste und schärfste Bild des Universums mit unzähligen Galaxien.dpa/Space Telescope Science Institut/Nasa/Esa/CSA

Das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) ist zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres 2022 gekürt worden. Mit ihm gehören dazu die Dart-Mission der Nasa, mit der erstmals die Ablenkung eines Asteroiden gelang, die Entdeckung des größten Bakteriums der Welt, die Entwicklung einer mehrjährigen Reissorte und anderes mehr. Zu jedem Jahresende küren die Redakteure und Herausgeber des Fachmagazins Science die zehn wichtigsten wissenschaftlichen Leistungen des Jahres – unter der Rubrik „Breakthrough of the Year“.

Das bisher größte, teuerste und leistungsfähigste Weltraumteleskop war noch im Dezember 2021 ins Weltall gestartet. Benannt ist es nach dem früheren Nasa-Chef James Webb. Gebaut wurde es mithilfe der europäischen und kanadischen Weltraumbehörden. Für seine Aufnahmen nutzt es die Infrarotstrahlung astronomischer Objekte.

Im Juli 2022 lieferte es von seinem Standort aus – 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – die ersten Bilder. Bereits diese lösten Begeisterung aus. So zeigte das „vergoldete Wunderkind der Astronomie“, wie es von Science genannt wird, gestochen scharfe Bilder eines Galaxienhaufens, wie er vor 4,6 Milliarden Jahren ausgesehen hat, sowie von Sternenentstehungs-Gebieten im Carina-Nebel. Es lieferte auch das tiefste und schärfste Infrarotbild des frühen Universums, das jemals aufgenommen wurde.

Teleskop wird das Bild vom Weltall revolutionieren

In den Monaten darauf folgten weitere Aufnahmen. So zeigte das JWST den am weitesten entfernten Planeten des Sonnensystems, Neptun, und machte Ringe und Wolken aus Methaneis sichtbar. Es wies erstmals Kohlendioxid und andere Moleküle auf einem Planeten nach, der 700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Das Teleskop werde „unser Bild vom Kosmos revolutionieren“, schreibt Science.

So lieferte es zum Beispiel erstmals Bilder von Galaxien, wie sie rund 300 Millionen Jahre nach dem Urknall aussahen. Astronomen sind überrascht, weil die frühen Galaxien erstaunlich hell sind. „Ihre ruhigen, geordneten Scheiben stellen unser Verständnis davon infrage, wie sich die ersten Galaxien im überfüllten, chaotischen frühen Universum gebildet haben“, sagte Erica Nelson, eine an den Studien beteiligte Astronomin.

In der Medizin gehören zu den Durchbrüchen des Jahres die ersten erfolgreichen klinischen Tests für einen neuartigen Impfstoff gegen das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Es ist genau das Atemwegs-Virus, das zurzeit vielen Kleinkindern zu schaffen macht. Ein weiterer Durchbruch ist der Nachweis, dass ein weit verbreitetes Herpesvirus zu einem wesentlichen Anteil am Entstehen von Multipler Sklerose (MS) beteiligt ist. Es handelt sich um das Epstein-Barr-Virus. Möglicherweise könnten neue Medikamente oder Impfungen gegen das Virus die Krankheit MS eines Tages heilen, heißt es.

Zero-Covid-Politik Chinas als Niederlage des Jahres

Zu den weiteren Durchbrüchen des Jahres zählt die Dart-Mission der Nasa, mit der es erstmals gelungen ist, einen Asteroiden von seiner Bahn abzulenken. Dies könnte eine Methode sein, um die Erde vor einem drohenden Asteroideneinschlag zu bewahren. Auch Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz wurden gekürt, dazu die Entdeckung von mindestens zwei Millionen Jahre alter DNA im Permafrost im Norden Grönlands und des größten Bakteriums der Welt, genannt Thiomargarita magnifica.

Allerdings gibt es auch wissenschaftliche Niederlagen des Jahres, „Breakdowns“ genannt. Dazu zählt das Journal Science unter anderem die Zero-Covid-Politik Chinas. Diese sei am Anfang ein Erfolg gewesen, heißt es. „Aber mit der Zeit belastete Chinas strenge Lockdown-Politik seine Wirtschaft, frustrierte seine Bürger und schadete der öffentlichen Gesundheit wohl mehr, als sie nützte“, so die Science-Autoren.

Das folgenschwerste negative Ereignis des Jahres 2022 aber ist für sie der Krieg Russlands gegen die Ukraine. Er bringt nicht nur massenhaft Tod und Leid, sondern hat laut Science auch Auswirkungen auf Wissenschaft, Raumfahrt, Nahrungs- und Energieversorgung sowie auf den Kampf gegen den Klimawandel.