Berlin - Diese Bilder und Videos sind sensationell. Zum ersten Mal überhaupt kann man bei einer Landung auf dem Mars mit dabei sein – wenn auch nachträglich und aus etwa 200 Millionen Kilometern Entfernung. Erstmals festgehalten wurden auch jene „seven minutes of terror“, von denen die Nasa-Ingenieure sprechen. Sie meinen damit jene Minuten des Bangens, der Angst und des Schreckens in der hochkomplizierten letzte Phase der Mars-Landung. Alles läuft automatisch ab, man kann nicht mehr eingreifen und kriegt auch nichts mit. Denn ein Funksignal braucht mehrere Minuten vom Mars zu Erde. Erst hinterher weiß man, ob man Erfolg hatte oder aus der 2,7 Milliarden US-Dollar teuren Mission ein Haufen Mars-Schrott geworden ist.

Am 18. Februar landete der Nasa-Rover „Perseverance“ im Jezero-Krater auf der Nordhalbkugel des Mars. Dort soll er in den nächsten Jahren unter anderem nach molekularen Spuren von Leben suchen. Die letzte Phase der Landung wurde von mehreren Kameras an der Ober- und Unterseite des Landers  festgehalten. Dabei entstand unter anderem ein fantastisches, mehr als dreiminütiges Video, zu sehen auf YouTube unter dem Titel „Perseverance Rover’s Descent and Touchdown on Mars“.  

„Dies ist das erste Mal, dass wir ein Ereignis wie die Landung auf dem Mars festhalten konnten“, sagte Michael Watkins, Direktor des Jet Propulsion Laboratory der Nasa. Als die Landeeinheit in die Marsatmosphäre eintrat, sah sie noch fast so aus wie eine fliegende Untertasse, mit einem Hitzeschild an der Unterseite und einer rückwärtigen Abdeckung. Diese Phase konnte noch nicht gefilmt werden.

Eine Kamera machte die ersten Aufnahmen, als sich in etwa zwölf Kilometern Höhe der riesige rot-weiße Fallschirm über der Landeeinheit öffnete. Denn diese musste von rund 20.000 Kilometern pro Stunde auf zunächst 320 Kilometer pro Stunde abgebremst werden.

Die nächsten Sequenzen zeigen, wie an der Unterseite des Landers der Hitzeschild abgeworfen wird und zu Boden trudelt. Nun gerät erstmals der Mars in den Blick, aus etwa zehn Kilometern Höhe, aufgenommen von einer Kamera an der Unterseite von „Perseverance“. 

Leicht schaukelnd nähert sich der Lander – vom Fallschirm immer mehr abgebremst – der Marsoberfläche. Man sieht den rostroten Marsboden, mehrere kleinere Krater, Hügel und ein Plateau mit schroffen Abhängen. Das Landegelände inmitten des riesigen Jezero-Kraters soll einst ein See gewesen sein. Die kritischsten und gefährlichsten Sekunden kommen aber noch. 

Das Video zeigt, wie nach der Abtrennung der rückwärtigen Abdeckung in etwa 20 Metern Höhe der fliegende Kran (Sky Crane) des Landers startet und den sechsrädrigen Rover an einer Art Gespann zu Boden lässt. Man sieht sowohl den hängenden Rover als auch den Himmelskran mit seinen Bremsraketen an den vier Ecken. Am rötlichen Boden, durchsetzt mit helleren Steinen, wirbelt Staub hoch, verschleiert die Sicht. Dann setzt der Rover auf – der Himmelskran fliegt weg.

Neben 23 Kameras hat „Perseverance“ übrigens auch erstmalig Mikrofone an Bord. Und so gibt es eine weitere Premiere: Man kann den Mars hören. Das klingt wie Windböen auf der Erde. Dazu hört man das sirrende Geräusch des Rovers. Das Mystische wird alltäglich.