Medizin: Neuer Ansatz gegen Multiple Sklerose

Bei der Multiplen Sklerose (MS) greift das Immunsystem Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark an. Das führt zum Verlust der isolierenden Hülle der Nervenfasern – Myelinscheide genannt – und beeinträchtigt die Signalübertragung. Derzeitige Therapien unterdrücken Immunreaktionen, um die Krankheit zu bremsen. Jetzt haben US-Forscher einen Wirkstoff gefunden, der eine völlig neue Behandlungsstrategie ermöglicht: Benzatropin, ein zur Parkinson-Therapie bereits zugelassenes Medikament.

Benzatropin fördert im Tierversuch die Regeneration der Myelinscheide. Das geschieht dadurch, dass sich aus speziellen Vorläuferzellen vermehrt myelinbildende Hirnzellen entwickeln, berichten die Forscher im Fachjournal Nature. Benzatropin linderte typische Krankheitssymptome bei Mäusen. Erste klinische Studien mit Patienten sollen schon bald beginnen.

„Während eines Krankheitsschubs sind zwar Vorläuferzellen vorhanden, aber aus unbekannten Gründen entwickeln sie sich nicht zu reifen funktionsfähigen Oligodendrozyten“, sagt Luke Lairson vom Scripps Research Institute in La Jolla. Oligodendrozyten zählen zu den Gliazellen des Gehirns und haben die Aufgabe, geschädigte Myelinhüllen auszubessern.

Die Behandlung mit Benzatropin allein hatte in den Versuchen mit Mäusen, bei denen eine Art MS ausgelöst worden war, eine ähnliche Wirkung wie der Einsatz der MS-Mittel Beta-Interferon oder Fingolimod, die das Immunsystem unterdrücken. Aber eine kombinierte Behandlung verstärkte den Effekt erheblich: Es wurde weniger Myelin zerstört und gleichzeitig die Neubildung gefördert. Bei Mäusen führte die Therapie zu einer deutlichen Linderung von Krankheitssymptomen. Benzatropin hat allerdings starke Nebenwirkungen. Zudem muss die optimale Dosis erst noch ermittelt werden. (wsa)