Berlin - Wann hat Maria eigentlich gemerkt, dass sie schwanger ist?  Die Empfängnis war ja – glaubt man der Bibel – auf recht mysteriöse Weise vor sich gegangen. Über die Zeugung von Jesus heißt es in einer Übersetzung: „Es fand sich, dass seine Mutter, Maria, die dem Josef vertraut war, noch bevor sie in ehelicher Gemeinschaft zusammenlebten, schwanger war mit einem Kind durch den heiligen Geist.“ Wann und wie aber hatte man festgestellt, dass sie ein Kind erwartete?

Es kann durchaus sein, dass dies recht spät geschah, vielleicht sogar überraschend.  In Deutschland gebe es  pro Jahr bis zu 1 500 Mädchen und Frauen,  die ihre Schwangerschaft – zumindest monatelang – nicht bemerkten, sagte Christian Albring, der Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Mediziner sprechen davon, dass es aus verschiedensten Gründen eine psychische Verdrängung  der Schwangerschaft geben kann. Für Übelkeit, Ausbleiben der Periode und Gewichtszunahme werden dann andere Begründungen gefunden.  Viele Patientinnen gingen bis zum achten Monat wegen Unterleibsschmerzen und anderen Beschwerden zum Arzt, so Christian Albring.

Schwangerschaft durch Bier und Datteln feststellen

Wenn eine Frau dagegen wirklich wissen will, ob sie schwanger ist,  kann sie das heute schon sehr früh mit großer Sicherheit feststellen.  Einfach mit einem Urin-Teststäbchen aus der Apotheke. Es funktioniert bereits ab zwei bis drei Wochen nach der Befruchtung der Eizelle. Grundlage ist das sogenannte Schwangerschaftshormon, das Humane Choriongonadotropin (HCG). 

Zu Marias Zeiten – in der Antike – war dieses Hormon allerdings noch nicht bekannt. Es gab allerhand dubiose Methoden für die Feststellung einer Schwangerschaft. „Den vermeintlich Schwangeren wurde ein Gemisch aus Bier und Datteln gegeben“, sagte die Wissenschaftshistorikerin Lisa Malich von der Universität Lübeck über einen Schwangerschaftstest vor 4 000 Jahren. „Dann wurde geguckt, ob sie sich übergeben müssen und wie lange.“

Im alten Ägypten ließ man Frauen auf Weizen- und Gerstensamen urinieren. Gingen diese auf, war die Frau wahrscheinlich schwanger. Keimte der Weizen, bekam sie ein Mädchen, keimte die Gerste, wurde es ein Junge. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde auch ein Zwiebeltest angewandt, den bereits der antike Arzt Hippokrates beschrieben hatte. Man führte der Frau eine Zwiebel – oder auch Knoblauchzehe – in die Vagina ein und beließ sie über Nacht darin.

Aschheim und Zondek entwickelten den Test vor 90 Jahren

Roch der Atem der Frau am Morgen nach Zwiebel oder Knoblauch, war sie angeblich nicht schwanger. Bei frischen Atem dagegen habe, wie es hieß, das heranwachsende Kind im Körper verhindert, dass der Geruch bis oben durchdringen konnte. Ansonsten schaute man jahrhundertelang auch auf Zeichen wie Wassereinlagerungen, Übelkeit und das Ausbleiben  der Menstruation.

Vor genau 90 Jahren entwickelten dann zwei Berliner Gynäkologen den ersten zuverlässigen Schwangerschaftstest der Welt.  Sie hießen Selmar Aschheim und Bernhard Zondek. Zuvor war im Jahre 1920 das bereits erwähnte HCG-Hormon entdeckt worden, das die Schwangerschaft aufrecht erhält.

Selmar Aschheim arbeitete 1927 im Labor der Frauenklinik an der Berliner Charité, das er seit 1912 leitete. Bernhard Zondek war Professor für Geburtsthilfe und Gynakologie an der Charité. Gemeinsam arbeiteten die beiden jüdischen Ärzte an einem frühen Schwangerschaftstest – und zwar auf der Grundlage der Tatsache, dass das HCG-Hormon im Urin von Schwangeren nachweisbar war. Heute weiß man, dass es in der Plazenta der Schwangeren gebildet wird. Aschheim und Zondek dachten aber noch, dass es aus der Hypophyse, also der Hirnanhangdrüse stammt.

Aschheim-Zondek-Reaktion war der erste, moderne Schwangerschaftstest

Später berichtete Zondeks Bruder Hermann, der auch Mediziner war: „Zum ersten Mal erzählte mir mein Bruder von diesem Befund bei unserem Morgenspaziergang, den wir am Samstagvormittag nach Beendigung meiner Vorlesung über Endokrinologie in den Höfen der Charité zu unternehmen pflegten. Oft gesellte sich dabei Selmar Aschheim zu uns, der mich gewöhnlich mit dem Scherznamen ,Hormon-Zondek’ anredete.“

Aschheim und Zondek nahmen morgendlichen Urin von Frauen und injizierten ihn jungen weiblichen Mäusen. War das HCG vorhanden, bewirkte dies nach 48 Stunden eine Veränderung der Geschlechtsorgane der Mäuse. Die Eizellen reiften, der Uterus vergrößerte sich.

Daraus ließ sich – zu 98 Prozent zuverlässig – nachweisen, dass die Frau schwanger war. Die Aschheim-Zondek-Reaktion war der erste moderne Schwangerschaftstest. Leider jedoch mussten die Mäuse dafür seziert und untersucht werden. Jeder Test  war also mit dem Tod einer Maus verbunden. Als „Mäusetest“ ging er in die Geschichte ein.

Der Umweg über Tiere ist nicht mehr nötig

Einen etwas anderen Weg fand in den 30er-Jahren der britische Zoologe Lancelot Hogben. Er nutzte zwar auch Tiere für den Test. Dieses Mal aber waren es weibliche Afrikanische Krallenfrösche, die den Urin der Frauen injiziert bekamen.   Der Vorteil: Die Frösche blieben am Leben, mussten nicht seziert werden.

Wenn im Harn der Frau das HCG vorhanden war, laichten die Tiere innerhalb von 18 Stunden. Der Froschtest war bis zur Entwicklung chemischer Schwangerschaftstests in den 60er-Jahren weltweit anerkannt. Apotheken hielten dafür Frösche in Aquarien. Der Afrikanische Krallenfrosch bekam den Namen „Apothekerfrosch“. Er wurde zu Zehntausenden aus Südafrika in alle Welt exportiert.

Auch die heute gängigen chemischen Schnelltests beruhen auf dem Nachweis einer höheren HCG-Konzentration im Urin. Doch der Umweg über Tiere ist nicht mehr nötig. Der Test funktioniert über die Farbreaktion von HCG-Antikörpern auf dem Teststreifen. Das Ergebnis wird mitunter auch digital dargestellt. Im Blut kann HCG übrigens bereits viel früher nachgewiesen werden, schon sieben bis zehn Tage nach der Befruchtung. Noch bevor die nächste Periode ausbleibt.