Wiesbaden - Bei schönem Ausflugswetter nehmen schwere Motorrad- und Fahrradunfälle zu - das belegt auch die neueste Statistik. Unfallforscher appellieren zu Saisonbeginn: Umsicht kann Leben retten.

Appelle an die Adresse rasender Motorradfahrer und rücksichtsloser Radler: Unfallforscher mahnen zu Beginn der Saison Zweiradfahrer zur Umsicht. Zwar sind 2013 so wenig Motorrad- und Radfahrer tödlich verunglückt wie seit mehr als 30 Jahren nicht. Inge Vorndran vom Statistischen Bundesamt mahnt aber, die Zahl der Unfälle sei «stark durch die Witterung beeinflusst». Vor allem das verregnete Frühjahr 2013 bremste schwere Unfälle - das könnte in diesem bisher eher freundlichen Frühjahr ganz anders kommen.

Die Zahl der Motorradfahrer und -mitfahrer, die bei Unfällen verletzt wurden oder ums Leben kamen, ist im Langzeitvergleich seit 1979 deutlich gesunken. Mehr als die Hälfte der schweren Unfälle mit Motorradfahrern werden von diesen selbst verursacht. Mehr als ein Drittel aller an schweren Unfällen beteiligten Motorradfahrer fuhr zu schnell. Zweithäufigstes Fehlverhalten: Zu dichtes Auffahren.

«Je schneller und leichter die Maschine, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls», sagt Unfallforscher Siegfried Brockmann. Risikogruppen seien vor allem junge Leute und Späteinsteiger. Technik wie die neuen Antiblockiersysteme machten sich in der Unfallbilanz nur langsam bemerkbar. «Viele Maschinen sind schon 10, 15 Jahre alt.» Um schweren Unfällen vorzubeugen, müssten Leitplanken an bekannten Ausflugsstrecken mit einem sogenannten Unterfahrschutz versehen und die Geschwindigkeit an Unfallschwerpunkten begrenzt werden.

Für Anja Hänel vom ökologischen Verkehrsclub Deutschlands (VCD) sind viele Landstraßen ein Problem, weil sie Motorradfahrer zum Rasen verleiteten. «Visuelle Signale sind stärker als ein Geschwindigkeitsbegrenzungsschild.» Bei der Gestaltung der Landstraßen werde die äußere Linie inzwischen oft weiter in die Fahrbahn verlegt, dadurch wirkten die Straßen schmaler, die Sicherheitszonen seien größer.

Viele Fahrer unterschätzten beim Saisonstart die körperliche Herausforderung, sagt Carla Bormann vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). «Sie sollten sich erst auf einem Übungsplatz wieder einfahren oder sich zum Motorrad-Training anmelden.»

Schwere Unfälle mit Radfahrern sind deutlich häufiger als mit Motorrädern. Seit 1979 verunglückten zwar weniger Radfahrer tödlich, es wurden aber mehr verletzt. Allerdings fahren auch viel mehr Leute Rad. Rund 45 Prozent der schweren Unfälle verursachen die Radler selbst. Besonders oft fahren sie in die falsche Richtung - damit rechnen andere Verkehrsteilnehmer nicht. Allerdings: Fahrten entgegen der Einbahnstraßenrichtung schlagen sich nicht in der Statistik nieder, wie der Forscher der Unfallversicherer Siegfried Brockmann sagt.

«Die meisten schweren oder tödlichen Unfälle mit Fahrradfahrern passieren an Kreuzungen und Einmündungen», sagt Stephanie Krone vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Eine besondere Gefahr: Rechtsabbiegen. «Viele Autofahrer vernachlässigen den Schulterblick, und viele Radfahrer unterschätzen den toten Winkel.» Plötzlich geöffnete Fahrertüren, Baumwurzelaufbrüche und andere gravierende Hindernisse auf Radwegen seien aber auch oft Unfallursache.

Die Städte müssten für bessere Radwege sorgen. Und: «Wir brauchen bei steigendem Radverkehrsanteil in den großen Städten schlichtweg mehr Platz für den Radverkehr», sagt Krone. «Breite, gut gepflegte Fahrradspuren sind das Ziel. Außerdem können technische Hilfsmittel - wie elektronische Abbiegeassistenten für Lastwagen - in Zukunft helfen, schwere Unfälle zu verhindern.» VCD-Sprecherin Anja Hänel sagt: «Die Geschwindigkeit innerorts muss runter, damit man sicher mit dem Rad unterwegs sein kann.»

Was können Radfahrer tun? DVR-Sprecherin Bormann wirbt für den Helm und fordert Erwachsense auf, Vorbild zu sein. Krone mahnt: «Langsam an Kreuzungen und Einmündungen heranfahren, Blickkontakt suchen - und sich nicht allein auf die grüne Radfahrer-Ampel verlassen.» (dpa)