Bundeskanzlerin Angela Merkel.
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BerlinAngela Merkel hat die Staaten in Europa aufgefordert, die Kontrolle über ihre Daten von den Technologiegiganten des Silicon Valley zurückzuholen. Merkel ist damit eine weitere europäische Politikerin, die die Dominanz der USA in der digitalen Wirtschaft in Frage stellt.

Die deutsche Bundeskanzlerin sagte, die EU sollte "digitale Souveränität" beanspruchen, indem sie eine eigene Plattform für das Datenmanagement entwickelt und ihre Abhängigkeit von den US-amerikanischen Cloud-Diensten von Amazon, Microsoft und Google verringert. "So viele Unternehmen haben gerade alle ihre Daten an US-Unternehmen ausgelagert", sagte Frau Merkel bei einer Veranstaltung mit deutschen Wirtschaftsführern. "Ich sage nicht, dass das an und für sich schlecht ist - ich meine nur, dass die Mehrwertprodukte, die mit Hilfe der künstlichen Intelligenz daraus entstehen, Abhängigkeiten schaffen, von denen ich nicht sicher bin, dass sie eine gute Sache sind."

Ihre Rede auf einer Arbeitgeberkonferenz in Berlin zeige, dass sich die Informationswirtschaft zu einem Schlachtfeld in den Handelsbeziehungen zwischen der EU und den USA entwickelt habe, analysiert die Financial Times. Es werde auch die Besorgnis in den europäischen Hauptstädten deutlich, dass die EU durch die Marktbeherrschung der großen US-amerikanischen Technologieunternehmen, insbesondere bei der Speicherung, Verarbeitung und Analyse von Daten, geschwächt werden könnte.

Zuvor hatte bereits EU-Kommissarin Vestager angekündigt, die US-Konzerne unter die Lupe nehmen zu wollen.