Eine kriminelle Gruppe soll einem Medienbericht zufolge im Internet mit betrügerischen Geldanlage-Plattformen Millionen erbeutet haben. Unter den Betroffenen seien auch Tausende Deutsche, berichten der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und der Saarländische Rundfunk (SR) am Mittwoch auf Grundlage einer gemeinsamen Recherche. Die Bande habe international agiert und ihre Opfer mithilfe sogenannter Trading-Plattformen hinters Licht geführt.

Fünf Personen wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen 

Im Saarländischen Rundfunk erzählte ein Geschädigter, wie er um sein Geld gebracht worden ist. 500 Euro habe er am Anfang investiert in der Hoffnung, von steigenden Aktienkursen und Währungsschwankungen zu profitieren. Ein Beratungsgespräch am Telefon habe ihm das Gefühl gegeben, er könne dem Unternehmen vertrauen, deshalb war bereit, noch mehr zu investieren. Als es darum ging, seine Gewinne zu realisieren, begannen die Schwierigkeiten. Der Mann wurde gegeben, zunächst noch mehr zu investieren, was er auch tat. Als er dann bemerkte, dass er seine Einlage trotzdem nicht zurückbekommt, habe er einen Anwalt eingeschaltet, berichtete er dem Saarländischen Rundfunk. Seine Sorge ist groß, dass er keine Euro wiedersehen wird.

Kopf der Bande soll ein 55 Jahre alter Deutscher sein, berichteten die beiden Radiosender unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Saarbrücken, die das Verfahren gemeinsam mit der Zentralen Wirtschaftsstaatsanwaltschaft aus Österreich führe. Dem Mann und vier weiteren Beschuldigten werde gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.

Die Bande soll auch ein Callcenter betrieben haben, um Opfer des Betrugs unter Druck zu setzen

Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Michael Görlinger sprach in einem Interview von „außergewöhnlichen Dimensionen“. Allein in Saarbrücken werden demnach 233 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Trading-Plattformen bearbeitet. Der Hauptbeschuldigte sitze in Wien in Untersuchungshaft, einige der Beschuldigten seien noch flüchtig. Opfer wurden den Angaben zufolge gezielt in sozialen Netzwerken angeworben – und im Schnitt um mehr als 40.000 Euro betrogen. Nach der Anmeldung auf den Betrugsseiten seien sie von vermeintlichen Beratern auf angeblich „lukrative Gelegenheiten“ hingewiesen oder zur Einzahlung von Geld bewegt worden. Entsprechende Chat-Protokolle haben Journalisten der Rundfunksender den Angaben zufolge eingesehen.

Auch eigene Callcenter habe die Gruppe betrieben und von dort aus Opfer telefonisch unter Druck gesetzt. Eines davon – im Kosovo – sei vor wenigen Wochen durchsucht worden. Weitere Durchsuchungen habe es in Österreich, Deutschland, Bulgarien und Tschechien gegeben, zitieren NDR und SR die Staatsanwaltschaft Saarbrücken.

Zahl der Internetnutzer steigt - somit auch der Betrug und die Kriminalität im Internet

Fast alle Betroffenen hätten sämtliche eingezahlten Gelder verloren, hieß es. In einigen Fällen seien vermeintliche Berater plötzlich verreist gewesen, in anderen Fällen seien Softwarefehler für die Nicht-Auszahlung vermeintlicher Gewinne verantwortlich gemacht worden. Ob auf den Plattformen überhaupt ein Handel mit eingezahlten Geldern stattfand, ist noch Gegenstand von Ermittlungen.

Dem Hauptbeschuldigten allein rechnen die Ermittler fünf Plattformen zu. In den Kundendaten dieser Plattformen finden sich den Angaben zufolge die Daten von mehr als 200.000 Menschen aus Deutschland. Laut SR und NDR ist es möglich, dass die tatsächliche Dimension des Falles noch größer ist: Bei Durchsuchungen im Ausland sichergestellte Beweismittel deuteten darauf hin, dass die auf den fünf Plattformen zum Einsatz gekommene Infrastruktur auch bei 387 weiteren Internetseiten zum Einsatz gekommen sein könnte.

Seit Jahren steigt die Zahl der Internetnutzer weltweit und auch in Deutschland, daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Kriminelle immer neue Wege suchen, um im Netz ihre kriminelle Energie zu nutzten. Das Bundeskriminalamt stelt jedes Jahr im September seinen Jahresbericht vor – und seit Jahren steigt die Zahl der Kriminalitätsfälle, zu denen auch Spionage und Datendiebstahl gehören. (dpa mit BLZ)