Wundertafel: Die vierte Generation seines iPad Pro vermarktet Apple gezielt für AR-Anwendungen, hier etwa beim Ausprobieren neuer Möbel im eigenen Zuhause.
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BerlinMitten in der Corona-Krise stellt Apple die vierte Generation seines iPad Pro vor. Und erneut soll es mehr sein als bloß ein Tablet-Computer, wie wir sie kennen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. 

Erstes äußeres Erkennungsmerkmal der beiden neuen Pro-Modelle (mit 11-Zoll- oder 12,9-Zoll-Bildschirm) ist das neue Kamerasystem. Es besteht aus einem Weitwinkelobjektiv (12 Megapixel, ƒ/1.8 Blende) und einem Ultraweitwinkelobjektiv (10 Megapixel, ƒ/2.4 Blende). Damit sind Videoaufnahmen in 4K-Auflösung (3840 zu 2160 Pixeln) bei 60 Bildern pro Sekunde möglich. Einen echten optischen Zoom wie beim iPhone 11 Pro bietet das neue iPad Pro mangels Teleobjektiv jedoch nicht.

Ein besonderer Sensor für besondere Aufgaben

Eine Sache ist wirklich neu: ein LiDAR-Scanner auf der Rückseite, wie es ihn selbst beim besten iPhone bislang nicht gibt. LiDAR («Light Detection and Ranging») ist eine dem Radar verwandte Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung. Man kennt sie von autonom fahrenden Autos oder von Roboter-Staubsaugern. Die iPad-Pro-Modelle können damit die Umgebung erfassen.

Die aufwendige Messtechnik soll die Genauigkeit und Geschwindigkeit von Augmented-Reality-Anwendungen (AR) verbessern. Wenn das iPad seine Umgebung präziser erfassen kann, sehen virtuelle Objekte im Raum einfach realistischer aus - zum Beispiel bei den AR-Apps von Möbelhäusern wie Ikea. Damit kann sich jeder und jede schon vor den Kauf ansehen, wie der Wunschsessel oder -tisch später im heimischen Wohnzimmer aussehen würde.

Im Test klappt das beeindruckend gut. Mit der bisherigen Kameratechnik kam es immer wieder vor, dass die AR-Gegenstände etwas wirklichkeitsfremd leicht über dem Boden schwebten. Damit ist jetzt Schluss. Die neue Technik hat Potenzial: Neben Privatkunden dürften auch Innenarchitekten oder Handwerker ein solches Tablet als Standard-Werkzeug entdecken.

Reichlich Prozessor-Power mit dem A12Z

Damit selbst grafikintensive Spiele ruckelfrei laufen, steckt im neuen iPad Pro ein Chip mit der Bezeichnung A12Z. Zusammen mit einem Achtkern-Grafikprozessor soll er deutlich mehr Leistung liefern als der A10X- und A12X-Chip, die in den bisherigen iPad Pro-Modelle verbaut worden sind.

Mit einer neuen Trackpadfunktion rückt das neue Tablet den Top-Notebooks von Apple gehörig auf den Pelz: Bewegt man den Finger über das gekoppelte Trackpad, verwandelt sich der Zeiger, um Elemente der Benutzeroberfläche hervorzuheben. Die Funktion zaubert also nicht nur in Textdokumenten einen Cursor auf den Bildschirm. Clever: In der App-Übersicht zeigt ein kleiner runder Kreis an, wo sich die virtuelle Fingerkuppe gerade befindet.

Bis Mai soll es dann auch eine neue Variante der iPad-Tastatur von Apple («Magic Keyboard») mit eingebautem Trackpad geben.

Spürbar besseres Arbeiten mit Texten und Tabellen

Der Komfortgewinn ist spürbar. Mit Maus oder Trackpad fällt es viel leichter, Texte oder Tabellendokumente zu bearbeiten. Für viele Wissensarbeiter könnte sich dadurch die Anschaffung eines klassischen Laptops erübrigen. Zumal auch immer mehr Spezialprogramme, so etwa ein Client für die Finanz- und Warenwirtschaftssysteme von SAP, für iPad OS verfügbar werden. Auch die Vorgängerversion soll nach einem Softwareupdate Trackpads unterstützen.

Das iPad Pro nähert sich damit stärker dem Konzept der Windows-Tablets an, wie es am prominentesten von Microsoft mit dem Surface Pro 7 vertreten wird. Allerdings findet man für das Windows-Gerät nicht die Auswahl an hochwertigen AR-Apps, die den Besitzern eines iPad Pro zur Verfügung steht.

Und der Preis? Das neue iPad Pro ist mit 11-Zoll-Display und einem neu verdoppelten Einstiegsspeicher von 128 Gigabyte ab 879 Euro zu haben. Die größere 12,9-Zoll-Version beginnt bei 1099 Euro.

Für LTE-Funk wird ein (ganz schön happiger) Aufschlag von 170 Euro fällig. Die Verdopplung des Speichers auf 256 GB kostet 110 Euro mehr, 512 GB gibt es für 330 Euro und 1 Terabyte für 550 Euro oben drauf.