Es gibt immer noch Branchen, die hauptsächlich offline funktionieren. Zu dieser gehörte bis 2015 auch der Markt für die Vermittlung möblierter Apartments an Geschäftsreisende. Doch dann haben die beiden Gründer Dustin Figge und Christoph Kasper diese Nische aufgetan und den Markt umgekrempelt. Mit Erfolg: Homelike hat mittlerweile 40.000 Wohnungen in hundert Städten und vier Ländern im Portfolio. Dustin Figge spricht am Donnerstag auch beim "Open Network" im Berliner Verlag - einer DuMont-Veranstaltungsreihe.

Herr Figge, Ihr Start-up Homelike vermittelt möblierte Apartments an Geschäftsleute. Eine solche Apartmentvermittlung ist aber doch nicht neu?

Den Markt gibt es seit 30 Jahren, das stimmt. Es gibt sehr viele Makleragenturen, nicht nur in Deutschland, die möblierte Wohnungen vermitteln, aber  – und das ist der große Unterscheid – über einen manuellen Offlineprozess, teilweise auch nur fokussiert auf einzelne Städte. Mein Mitgründer und ich haben beide lange geschäftlich im Ausland gelebt. Und wir hatten immer das Problem: Was mache ich eigentlich, wenn ich für drei Monate in einer neuen Stadt bin? Ein Hotel ist ja nicht für eine solche Zeitspanne ausgelegt. Und da wir immer in einem geschäftlichen Rahmen unterwegs waren, waren auch Share-Economy-Plattformen nicht das richtige, weil ein Großkonzern immer auch standardisierte Buchungsprozesse einhalten muss, hinsichtlich Rechnungsstellung, Mehrwertsteuerausweis etc. In der Hotellerie gibt es fast ausschließlich Online-Buchungssysteme. Und da haben wir uns gefragt: Warum gibt es das eigentlich nicht für möblierte Apartments?

Und deshalb haben Sie den Markt digitalisiert.

Ja, unser Ansatz ist, dass wir die Immobilienindustrie mit der Geschäftsreiseindustrie online vernetzen. Und das sind zwei komplett unterschiedliche Welten. Die Immobilienindustrie ist extrem offline, in der Branche geht sehr vieles über persönliche  Netzwerke, nichts ist digital. Und die Geschäftsreisewelt ist sehr digital. Das geht von Onlinebuchungssystemen über Hotelzimmer, Mietwagen und Flüge. Diese beiden Welten verbindet Homelike.

Wie unterscheidet sich Homelike damit von einer Apartmentvermittlung für Ferienwohnungen?

Das fängt schon bei der Art und Qualität der Wohnungen an. Alle unsere Apartments sind löffelfertig eingerichtet. Das heißt, sie sind komplett möbliert, alle notwendigen Utensilien wie Geschirr und Besteck in der Küche sind vorhanden – und ganz wichtig, jede Wohnung verfügt über WLAN. Auch eine Waschmaschine in der Wohnung oder zumindest im Haus zählt zu unseren Mindeststandards. Zudem sind wir spezialisiert auf Geschäftsreisende, gehen auf deren Bedürfnisse hinsichtlich Apartmentqualität, aber auch in der Abwicklung gezielt ein.

Der dritte Punkt ist, dass wir die Apartments nur ab einem Monat vermitteln. Im Ferienwohnungsgeschäft geht es ja oft nur um wenige Tage oder eine Woche, von daher haben wir mit einem Ferienwohnungsanbieter in dem Sinne nichts zu tun.

Bei der Vermittlung von möblierten Wohnungen denkt man schnell an das Konzept von Airbnb, wo Wohnungen untervermietet werden. Ist Wohnraumzweckentfremdung bei Ihnen kein Thema?

Nein, wir arbeiten mit großen Wohnungsverwaltungsgesellschaften zusammen, die teilweise Portfolios haben, die in  viele Hunderte Apartments gehen. Das heißt, die machen auch keine Ferienvermietung oder Untervermietung von Wohnraum.

Bei uns ist es außerdem so, dass die Wohnungen für eine lange Zeit zur Verfügung gestellt werden. Drei Viertel unserer Kunden sind Geschäftsleute, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen. Das heißt, wenn jemand von New York nach Berlin umzieht, bucht er eine Wohnung bei Homelike für mehrere Monate oder auch länger als ein Jahr. Mit Wohnungszweckentfremdung hat das nichts zu tun, da er die Wohnung nutzt, um darin zu wohnen. Ich kann die Diskussion bei einer tageweisen Vermietung verstehen, wie sie Share-Economy-Plattformen teilweise machen. Wenn Privatleute ihre Wohnung untervermieten, während derjenige beispielsweise mehrere Wochen im Urlaub ist. Diese Apartments haben wir nicht auf unserer Plattform und sie werden  von uns auch nicht verifiziert.

Ein Blick auf das Angebot von Homelike: 21 Quadratmeter in Kreuzberg für 900 Euro – das ist ja dann schon eher ein Luxussegment, das Sie bedienen.

Wenn Sie das damit vergleichen, dass jemand in Berlin eine unmöblierte Wohnung sucht, ist diese Art von Unterbringung wahrscheinlich nicht ideal geeignet. Unsere Kunden sind Geschäftsreisende, die gezielt nach vollausgestatteten Wohnungen suchen, wo alle Nebenkosten sowie Services wie WIFI oder teilweise Reinigungsservices schon im Preis mit inbegriffen sind, das heißt die Preise bei Homelike sind „all-inclusive“- Preise und keine Kaltmieten. Darüber hinaus müssen Sie aus Sicht des Geschäftskunden überlegen, was seine Alternative wäre. Bucht der Kunde ein Hotelzimmer – im mittleren Segment zahlt man 65 Euro pro Nacht für ein 18-Quadratmeter-Zimmer – läppern sich die Kosten schnell auf 2000 Euro im Monat.

Das Unternehmen spart bei Homelike in diesem Vergleich also über 50 Prozent der Kosten und erhält noch mehr Luxus, weil die Wohnung sogar noch größer ist und mehr Komfort verspricht. Der Speckgürtel an Wohnungen, die von Unternehmen für Mitarbeiter bei uns gebucht werden, liegt zwischen 1000 und 1800 Euro. Das ist so der Bereich, wo die größte Nachfrage herrscht.

Wie entwickelt sich Homelike in der Zukunft weiter?

Im Moment sind wir fokussiert auf die digitale Vermittlung möblierter Apartments. Aber wir merken eine immer stärkere Nachfrage auch nach Zusatzservices. Der Geschäftsreisende will zum Beispiel auch den Reinigungsservice,  Mobilitätsservice oder Essenslieferservice über einen zentralen Partner abbilden können, am besten auch noch ein Entertainment-Programm. Letztes Jahr hatten wir schon Testpiloten mit Kunden, wo wir einen täglichen Frühstücksservice zusammen mit einem Partner ausprobiert haben. Das hat  sehr sehr gut funktioniert. Homelike wird sich weiter zu einem „Living-as-a-Service“-Anbieter entwickeln und ich glaube, wir sind auf einem sehr guten Weg dahin.