Musikalische Dauerberieselung verbessert die Schlafqualität – allerdings nur, wenn sie die richtige Frequenz hat und in Stereo erfolgt. Das hat ein Team um Vera Abeln von der Deutschen Sporthochschule Köln in einer kleinen Studie festgestellt. Die Sportwissenschaftler wollten herausfinden, wie sie den Schlaf von Sportlern verbessern können. „Viele Sportler haben Schlafprobleme, weil sie unter hohem Leistungsdruck stehen und auch körperlich sehr belastet sind“, sagt Abeln. Die im Fachmagazin Journal of Sport Science veröffentlichte Studie zeigte nun, dass sogenannte akustische Neurostimulation einen positiven Effekt hat.

Das Team erprobte die Spezialberieselung an einer Gruppe von Nachwuchsprofifußballern. Acht Wochen lang betteten die Sportler nachts ihre Häupter auf ergonomisch geformte Kissen. Bei einem Teil der Probanden ertönte aus diesen Kissen die ganze Nacht leise Musik, eine Vergleichsgruppe wurde nicht beschallt. „Die Musik hört sich an wie klassische Entspannungsmusik. Sie ist eher langsam und tief“, erläutert Abeln.

Binauraler Beat

Das Besondere an dem Sound: Er kommt aus zwei Lautsprechern links und rechts im Kissen und die Töne haben eine leicht unterschiedliche Frequenz. „Auf der einen Seite sind es 400 Hertz, auf der anderen 404 Hertz“, sagt Abeln. Das Gehirn nimmt die Differenz wahr und schwingt sich sozusagen darauf ein. Binauraler Beat nennt sicher dieser Effekt. Er stimuliert bestimmte Frequenzen der Hirnwellen, in diesem Fall 4 Hertz und das entspricht genau der Frequenz, die die Nervenzellen im Gehirn während des Tiefschlafs erzeugen.

Die kleine Nachtmusik war sehr leise - so dass die Probanden sie gerade noch hören konnten – und ertönte die ganze Nacht hindurch. „Sie passt sich aber den jeweils anderthalbstündigen Schlafzyklen an“, sagt Abeln. Die Befragung der Fußballer ergab, dass die Musikkissen den Schlaf deutlich verbessern. „Die akustische Neurostimulation ließ die Probanden tiefer und erholsamer schlafen. Darüber hinaus fühlten sie sich am Morgen fitter und wacher“, berichtet Abeln. In weiteren Studien wollen die Sportwissenschaftler nun die Qualität des Schlafs auch objektiv messen – durch die nächtliche Erfassung der Hirnströme. Außerdem sollen Leistungstests zeigen, ob der verbesserte Schlaf sich auch auf die Sprint- oder Reaktionszeiten beim Sport auswirkt.

Abeln zufolge wird das Soundkissen (von der Kölner Firma Infrasonics) zurzeit auch für andere Zielgruppen getestet, etwa bei Demenz und bei altersbedingten Schlafstörungen. „Die ersten Ergebnisse scheinen alle recht positiv zu sein“, sagt die Forscherin. Allerdings gebe es vermutlich immer auch Menschen, die nicht auf die Methode ansprechen. „In unserer Studie hat sie immerhin bei etwa 80 Prozent gewirkt“, sagt Abeln.

Einen Nachteil hat das bereits kommerziell erhältliche Kissen gewiss: Mit einem Preis von mehr als 600 Euro ist es teuer. Die Nachwuchsprofifußballer aus Abelns Studie hatten Glück. Sie durften das von der Firma zur Verfügung gestellte Kissen behalten.