Berlin - Für zwei riesige Egos wie die von Tesla- und Paypal-Gründer Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos scheint selbst der Weltraum nicht groß genug zu sein. Derzeit streiten ihre Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin um den enorm wichtigen Auftrag für die neue Nasa-Mondfähre. Doch in der Auseinandersetzung geht es um noch mehr.

Im Rennen um die neue Mondfähre, die ab 2024 US-Astronauten wieder auf den Erdtrabanten bringen soll, hat SpaceX gepunktet. Das von Musk 2002 gegründete Raumfahrtunternehmen bekam den Nasa-Auftrag. Doch Blue Origin will sich damit nicht abfinden, wie die von Bezos gegründete Firma vergangene Woche mitteilte. Sie legte Widerspruch beim US-Rechnungshof wegen einer fehlerhaften Ausschreibung ein und warnte, die Entscheidung der US-Raumfahrtbehörde für SpaceX gefährde Amerikas Rückkehr zum Mond.

„Das ist mehr als eine Schlacht im Weltraum“, sagt Analyst Daniel Ives von der US-Investmentfirma Wedbush Securities mit Blick auf Musk und Bezos, die beide große Summen aus ihren riesigen Privatvermögen in ihre Raumfahrtunternehmen gesteckt haben. „Da kommen auch ein paar Egos ins Spiel.“

Was die finanziellen Mittel angeht, hat der 57-jährige Bezos die Nase vorn. Der Gründer des Versandimperiums Amazon ist laut dem Wirtschaftsmagazin Forbes mit einem Vermögen von 202 Milliarden Dollar (168 Milliarden Euro) der reichste Mensch der Welt. Der 49-jährige Musk belegt demnach mit 173 Milliarden Dollar den dritten Platz.

In der Raumfahrtbranche liegt aber Musk klar in Führung. Die SpaceX-Tochter Starlink hat bereits Hunderte Satelliten ins Weltall gebracht, um sich einen Anteil am weltweiten Markt für Internetverbindungen zu sichern. Der Amazon-Tochter Kuiper ist das bislang nicht gelungen, obwohl Bezos zehn Milliarden Dollar an Unterstützung zugesagt hat.

Zu allem Überfluss hat sich SpaceX auch noch mit Microsoft, dem größten Amazon-Konkurrenten auf dem Computer-Cloud-Markt, zusammengetan. Für seinen satellitengestützten Internetdienst darf SpaceX die Microsoft-Plattform Azure nutzen, wie die beiden Konzerne Ende vergangenen Jahres mitteilten. Microsoft will außerdem mit SpaceX beim Bau von Satelliten für ein Verteidigungssystem zum Aufspüren von ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Hyperschallraketen zusammenarbeiten.

Bezos wirft SpaceX und Microsoft einen gemeinsamen Feldzug gegen sein Firmenimperium vor. Dieser sei auch dafür verantwortlich, dass das Pentagon vergangenes Jahr einen Zehn-Milliarden-Dollar-Auftrag für sein Cloud-System „Jedi“ an Microsoft und nicht an Amazon vergeben habe.

Auch SpaceX hat beim Staat den Fuß in der Tür. Die Nasa schätzt SpaceX als zuverlässigen Frachtlieferanten für die Internationale Raumstation ISS. Mittlerweile haben SpaceX-Raketen auch schon mehrfach Astronauten zur ISS gebracht und die Nasa somit von der Abhängigkeit von russischen Sojus-Kapseln befreit.