Der Mann ist schon seit langem tot, aber sein Name lebt fort. Und zwar in dem milliardenteuren Nasa-Weltraumteleskop, das seit diesem Jahr im All stationiert ist. Es heißt nach James Webb. Doch es soll möglichst bald einen anderen Namen erhalten – zumindest, wenn es nach einer Gruppe von Astronomen geht.

James Webb wurde 1906 geboren und starb 1992. Der studierte Pädagoge und Jurist aus North Carolina leitete von 1961 bis 1968 die US-Raumfahrtbehörde Nasa. Vor allem ihm ist es zu verdanken, dass die Nasa Kennedys Auftrag erfüllen konnte, die ersten Menschen zum Mond zu schicken. Dennoch haben jüngst 1200 Astronomen eine Petition unterschrieben, die die Umbenennung des Teleskops fordert.

Webb soll Verfolgung von Schwulen und Lesben gefördert haben

Der Grund ist der Umgang mit Homosexuellen in der Nasa. Als „Lavendel-Angst“ ist jene Periode bekannt, in der US-Bundesbehörden Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Homosexualität diskriminierten und entließen. Sie soll um 1950 im US-Außenministerium begonnen haben, als James Webb dort der zweithöchste Beamte war. Und auch in der von Webb geleiteten Nasa seien Schwule und Lesben verfolgt worden, so die Petition.

Nasa
James Edwin Webb, Nasa-Chef von 1961 bis 1968

So soll zum Beispiel ein Mitarbeiter stundenlang über seine Sexualkontakte verhört und dann für „unmoralisches, unschickliches und würdeloses Verhalten“ entlassen worden sein. Die Nasa erklärte erst jüngst, es gebe keine Belege dafür, dass so etwas „Agenturpolitik“ unter Webb gewesen sei.

Nasa-Historiker findet eine Reihe von Indizien

Doch jetzt legen die Kritiker nach. Ein neuer Nature-Artikel verweist auf mangelnde Transparenz bei der Untersuchung. Interne Dokumente wiesen darauf hin, dass Webb eine wichtige Rolle in der „Lavendel-Angst“ gespielt habe und dass das Vorgehen „in der Behörde üblich“ gewesen sei. Der Nasa-Chefhistoriker hat nun weitere Quellenarbeit angekündigt.

Die Nasa wolle Vielfalt und Toleranz fördern und junge Menschen für die Raumfahrt gewinnen, heißt es. Für viele ist es wichtig, dass die Behörde offen mit ihrer Vergangenheit umgeht. Ob das mit der Umbenennung des James-Webb-Weltraumteleskops getan ist? Vielleicht lässt sich ja gerade anhand von einzelnen Personen über die Widersprüchlichkeit der Zeit reden, in der sie wirkten.