Auf dem Mars spielt sich zurzeit ein sportliches Spektakel ab. Gäbe es Bewohner auf dem Erdnachbarn, sie wären entzückt und würden lauthals den Namen des Nasa-Roboters „Opportunity“ rufen, um ihn auf den letzten Metern anzufeuern. Der von der Erde aus ferngesteuerte Rover ist kurz davor, als erster Forschungsroboter auf einem anderen Himmelskörper als der Erde einen Marathon zu gewinnen – also als erster Rover überhaupt auf einem erdfremden Gestirn die Distanz von 42,195 Kilometern zurückzulegen.

Die Mitarbeiter der Nasa in Pasadena, Kalifornien, sind jedoch wohl die einzigen im Weltall, die „Opportunity“ bei seinem Lauf auf der Zielgeraden zuschauen. Vermutlich jubeln sie ihm auch trotz der Distanz zum Mars vor den Bildschirmen ihrer Computer zu. In erster Linie aber sind sie verblüfft. Dass „Opportunity“ zu einer solchen Leistung in der Lage ist, hat niemand für möglich gehalten. Projektmanager John Callas sagte, der Mars-Rover sei ursprünglich nur für das Überwinden einer Distanz von einem Kilometer entworfen worden.

Marsroboter bricht sowjetischen Rekord

Nach Berechnungen der Nasa-Forscher hat „Opportunity“ das härteste Stück der Marathon-Distanz schon geschafft. Gut 40 Kilometer hatte der Roboter am Sonntagabend kalifornischer Ortszeit zurückgelegt. Damit brach er den bisherigen Rekord des sowjetischen Mondmobils „Lunochod 2“ aus dem Jahr 1973. Das sowjetische Fahrzeug hatte auf dem Erdtrabanten eine Strecke von 39 Kilometern zurückgelegt.

Seit zehn Jahren ist „Opportunity“ auf dem Mars unterwegs. Die Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 45 Zentimetern pro Stunde mutet bescheiden an. Aber „Opportunity“ ist ja vor allem auf den Planeten geflogen worden, um zu forschen. Da gilt das Prinzip: Nur nicht hetzen. Unerschütterlich arbeitet sich das Gefährt zurzeit durch den steinigen, 22 Kilometer breiten und 300 Meter tiefen Endeavour-Krater auf einer Hochebene am Äquator. Am Rand des Einschlagskraters untersucht es gerade den Lehm und Mineralien, die Sulfate beinhalten. Dort soll es leicht säurehaltiges Wasser gegeben haben.

Nur nicht hetzen

„Opportunity“ bereitet bemannte Mars-Missionen vor. Deshalb sei es nicht so wichtig, wie viele Kilometer der Rover gesammelt habe, „sondern wie viel Erkundung und Entdeckungen wir auf dieser Strecke gemacht haben“, sagt Projektleiter Callas. Trotzdem haben sich die Wissenschaftler schon überlegt, wie sie den Marathon-Sieg in der Geschichte des Mars’ verewigen könnten. Das Tal, in das sich „Opportunity“ als nächstes aufmacht, haben sie Marathon-Tal genannt. Dort wird er die Distanz von 42,195 Kilometern erreichen. An welchem Tag ist jedoch noch nicht klar. Trotzdem gratuliert der internetaffine Roboterkollege "Curiosity" schon mal auf Twitter.