Sie bedrohen heimische Tiere und Pflanzen, rufen bei Menschen Asthma und Allergien hervor und führen zu Ernteverlusten und Straßenschäden, die in Milliardenhöhe gehen. Nun ist es der EU zu bunt geworden. Kürzlich verabschiedete das Europäische Parlament in Straßburg eine Reihe von Maßnahmen, um die Verbreitung sogenannter invasiver gebietsfremder Arten einzudämmen. Die Verordnung muss nun noch formell vom Rat der EU gebilligt werden, danach tritt sie in Kraft.

Der Entwurf verlangt von den Mitgliedstaaten der EU eine umfassende Bestandsaufnahme: Welche gebietsfremden invasiven Arten gibt es im eigenen Land? Wie sind sie dorthin gekommen? Und wie plant man, gegen die Eindringlinge vorzugehen?

In Deutschland erstellt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) derzeit eine aktuelle Liste der gefürchteten Aliens. So nennen Experten die invasiven gebietsfremden Arten. Welche davon auf der EU-Liste erscheinen werden, steht hingegen längst noch nicht fest. Ambrosia zum Beispiel, die einst versehentlich von Nordamerika nach Europa gelangte, ist zwar eine der bekanntesten eingeschleppten Arten. Denn ihre Pollen sind stark allergen und rufen bei vielen Menschen Beschwerden hervor. „Aus Sicht der Naturschützer hingegen ist die Pflanze eher harmlos, da sie für heimische Arten keine Gefahr darstellt“, sagt Uwe Schippmann vom BfN.

Seine Mitarbeiter haben unlängst einen Kriterienkatalog erstellt, anhand dessen bestimmt wird, was als invasiv gilt und was nicht. „Als bedrohlich wird eine gebietsfremde Art eingestuft, wenn sie beispielsweise der heimischen Art den Lebensraum stiehlt, Krankheitserreger auf sie überträgt oder sie schlicht auffrisst“, erläutert Schippmann. Für Laien sei das mitunter gar nicht leicht zu durchschauen: „Beim Drüsigen Springkraut zum Beispiel sieht es oft so aus, als würde es alle anderen Arten verdrängen“, sagt Schippmann. „Schaut man genauer hin, ist es gar nicht leicht, hierfür belastbare Daten zu bekommen.“

Darüber hinaus stellt sich natürlich die Frage, welche Arten überhaupt als gebietsfremd gelten. „Der Waschbär beispielsweise ist nach dem Bundesnaturschutzgesetz inzwischen als heimisch anzusehen“, sagt der BfN-Zoologe Harald Martens. „Invasiv ist er trotzdem.“ Denn für die Europäischen Sumpfschildkröten, von denen es in Brandenburg noch wenige Exemplare gibt, werde er zur existenziellen Gefahr – er frisst ihre Eier.

Beinahe noch schwieriger wird es, wenn es an die Maßnahmen geht, der unerwünschten Eindringlinge künftig Herr zu werden. Zwar lassen sich absichtliche Einfuhren oder der Handel mit invasiven Arten – etwa mit exotischen Blumen oder schnell wachsenden Gräsern, wie sie für die Biogasproduktion angebaut werden – per Gesetz unterbinden. Unbeabsichtigte Einfuhren jedoch – wenn beispielsweise Samen oder Eier fremder Arten im Urlaubsgepäck unbemerkt die Reise nach Europa antreten –, wird die EU wohl auch in Zukunft kaum verhindern oder gar bestrafen.