Seit etwa zwanzig Jahren steigt die Zahl der Männer und Frauen, die bei der Intimpflege ihre Schamhaare kürzen oder vollständig entfernen. Diese Menschen erkranken eher an sexuell übertragbaren Infektionen als die anderen, berichten jetzt amerikanische Mediziner.

Je häufiger und intensiver die Schamhaare entfernt wurden, desto größer war zum Beispiel das Risiko für Herpes, Syphilis, Genital- oder Dellwarzen. Das schreiben Forscher der University of California in San Francisco im Fachblatt Sexually Transmitted Infections.

Als mögliche Begründung führen sie an, dass Hautverletzungen, die bei der Rasur entstehen, das Eindringen bakterieller und viraler Erreger erleichtern. Andererseits könnte das Infektionsrisiko steigen, weil Personen, die sich Schamhaare entfernen, möglicherweise beim Sexualverkehr auch generell leichtsinniger seien, so die Forscher.

In Folgestudien wollen sie deshalb auch nach Sexualpraktiken fragen, um diese bei der Auswertung der Daten zu berücksichtigen. Eine Schlussforgerung aus der Studie könnte sein, davon abzuraten, schon kurz nach einer Intimrasur Geschlechtsverkehr zu haben.

74 Prozent betreiben Intimpflege

Die landesweite repräsentative Stichprobe US-amerikanischer Bürger bestand aus 7580 Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Diese gaben an, ob, wie oft und auf welche Weise sie ihre Schamhaare kürzten und wie viele Sexualpartner sie hatten.

Insgesamt praktizierten 74 Prozent der Befragten diese Form der Intimpflege, unter den Frauen waren es 84 Prozent. Davon entfernten 17 Prozent ihre Schamhaare mehr als elfmal im Jahr vollständig, während 22 Prozent die Haare täglich oder wöchentlich kürzten. Die bevorzugten Methoden waren Nass- und Trockenrasur sowie der Einsatz von Scheren. Verfahren wie Waxing wurden kaum genutzt.

Insgesamt hatten sich 943 Personen mindestens ein Mal infiziert. Zu den Infektionen zählen solche durch Bakterien wie Gonokokken, Chlamydien und Treponema pallidum (Syphilis) sowie durch Herpes-, Papillom- und HI-Viren, daneben aber auch der Befall mit Filzläusen.

Je häufiger Haar entfernt, desto größer das Risiko

Bei gleichem Alter und gleicher Zahl bisheriger Sexualpartner hatten die Schamhaarentferner insgesamt ein durchschnittlich 80 Prozent höheres Infektionsrisiko als jene, die sich nicht vollständig rasierten. Bei extrem starker oder extrem häufiger Haarentfernung stieg dieses Risiko bei einigen Krankheitstypen sogar auf das Drei- bis Vierfache des Wertes der Vergleichsgruppe. (wsa)