Berlin - So beginnen filmreife Lebensgeschichten: Auf einem Bergbauernhof in Tirol wächst ein Junge auf, als Ältester von sechs Geschwistern. Eigentlich soll er einmal den Hof übernehmen. Doch er schaut gerne hinauf zu den Sternen. 1969 erlebt er vor dem flimmernden TV-Bildschirm die Mondlandung mit. Sein großer Traum ist, später unbedingt etwas zu machen, was mit dem Weltraum zu tun hat.

In diesen Tagen nun tritt der Österreicher Josef Aschbacher, von dem die Rede ist, sein Amt als neuer Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation Esa an. Sein Leben lang hat der 1962 geborene Bauernsohn seinen Traum verfolgt. Als Student der Meteorologie und Geophysik in Innsbruck wollte er Österreichs erster Astronaut werden. Er bewarb sich für die Mission „Austromir“, hatte aber leider keinen Erfolg. Der erste Österreicher im All war 1991 Franz Viehböck.

Die Beobachtung aus dem Weltraum verändert den Blick auf die Erde

1990 ging Aschbacher zur Esa, zunächst nach Rom. Später vertrat er Esa-Interessen in Asien, kehrte 1994 wieder zurück und entwickelte das EU-Erdbeobachtungsprogramm „Copernicus“ mit. 2016 wurde er Esa-Direktor für Erdbeobachtung. Die intensive Erforschung der Erde durch Satelliten prägte auch seinen Blick. Zur Zerstörung des Amazonas, die man aus dem Weltall beobachten kann, sagte der Vater dreier Kinder: „Es ist verbrecherisch, wie wir mit diesem Planeten umgehen.“

Im Dezember 2020 wurde Aschbacher für vier Jahre zum Esa-Generaldirektor ernannt. Sein Vorgänger, der 66-jährige Deutsche Jan Wörner, hatte die Behörde seit 2015 geleitet. Er verabschiedet sich am 28. Februar, früher als geplant. Angeblich habe die Chemie zwischen Wörner und dem Chef der französischen Weltraumbehörde, Jean-Yves Le Gall, nicht gestimmt, schrieb das Handelsblatt.

Europas Raumfahrt soll künftig auch auf Kommerzialisierung setzen

Aschbacher will die Esa – eine Behörde mit 2300 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 6,7 Milliarden Euro – effizienter machen, wie er sagte. Er will die europäische Zusammenarbeit verbessern und Europa wettbewerbsfähiger machen, zum Beispiel gegenüber privaten Unternehmen wie SpaceX des US-Milliardärs Elon Musk, die eigene Raketen entwickeln und besonders leistungsfähig sind. Warum gibt es kein SpaceX in Europa? Das ist eine Frage, der sich Aschbacher annehmen will.