An der Eberswalder Straße im Bezirk Pankow ist erst jüngst ein Modellprojekt vorgestellt worden: ein Umschlagplatz für Pakete und andere Sendungen. Aufgestellte Container werden von den größten Paketdienstleistern Deutschlands – DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS – als gemeinsame Zwischenstation genutzt. Von hier aus transportieren Cargobikes, lautlose und abgasfreie Lastenräder, die Sendungen weiter. Das Modell Komodo – Kooperative Nutzung von Mikro-Depots – ist eines von verschiedenen Modellen, die dazu beitragen sollen, die Stadt vom zunehmenden Lieferverkehr zu entlasten.

Radeln auf der letzten Meile

Drei Milliarden Pakete verschicken die Deutschen pro Jahr – Tendenz stark steigend. In Berlin fahren nach Senatsangaben 2500 Fahrzeuge pro Tag 415.000 Sendungen aus. „Der Güterverkehr hat jetzt schon einen Anteil von 20 bis 30 Prozent in den deutschen Innenstädten, zu Spitzenzeiten in vielen Städten sogar schon von über 50 Prozent“, sagt der Verkehrsforscher Andreas Knie, vom Berliner Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel. In den nächsten 25 Jahren werde eine Steigerung von 100 Prozent erwartet. Es droht nicht nur der Verkehrsinfarkt, sondern auch eine steigende Umweltbelastung.

Auf dem Innovationscampus Euref (Europäisches Energieforum) in Schöneberg, wo Unternehmen aus den Bereichen Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität angesiedelt sind, haben Knie und Kollegen ein eigenes Projekt gegen diese Entwicklung gestartet. Hier dürfen nur Elektroautos fahren und parken. Zulieferer die kein Elektroauto besitzen, müssen außerhalb des Campus auf separaten Be- und Entladeflächen parken. Von dort aus werden ihre Lieferungen mit speziell konzipierten Elektrobikes auf dem Campus verteilt.

Null-Emissionen-Logistik bis 2050

Mit Elektroantrieb fährt auch der von der Post entwickelte Streetscooter. Mehr als 5500 dieser Fahrzeuge sind in Deutschland bereits im Einsatz. Sie sollen die Emissionen in feinstaubbelasteten Städten wie Stuttgart, Düsseldorf, Bonn, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Berlin verringern. „Für uns ist es mit dem kleineren Streetscooter auch einfacher zu parken, weil wir nicht so große Parkplätze brauchen und so nicht mehr so oft in der zweiten Reihe halten müssen“, sagt der Stuttgarter DHL-Zusteller Sabah Buturs Younan. Bis 2050 will die Post sogar eine Null-Emissionen-Logistik aufgebaut haben. In Stuttgart betreibt sie ein Projekt mit dem Filterhersteller Mann & Hummel, bei dem der Streetscooter mit einem Feinstaubfilter und einem Ventilator ausgestattet ist.

Auch DPD, UPS und Hermes wollen in Zukunft auf E-Autos setzen. Allerdings sind die deutschen Autohersteller noch lange nicht soweit. Die bei Daimler bestellten 1500 Fahrzeuge von Hermes werden zum Beispiel erst ab 2020 ausgeliefert. Derzeit hat bei der E-Mobilität also die Post mit ihren selbst entwickelten Streetscootern die Nase vorn. Doch ein großes Problem bleibt auch bei der Zulieferung mit Elektroautos: Was ist mit all den Autos, die sich regelmäßig hinter den Zulieferfahrzeugen stauen, die Innenstädte verstopfen und die Luft verpesten? Sie tauchen in keiner Statistik auf.

Pilotprojekt „Smarte Paketkästen“

Um die Zulieferautos von der Straße zu bekommen, setzt die Post in einigen Innenstädten auf elektrische Frachträder – sogenannte Cubicycles. Das Prinzip ist einfach: An einem zentralen Ort laden die Zulieferer die Paketboxen auf Cubicycles um und fahren damit – elektrisch unterstützt – zum Endkunden. Der Vorteil: Die emissionsfreien und lautlosen Lieferungen sorgen gerade im Innenstadtbereich für eine Entspannung der Verkehrs- und Schadstoffbelastung. Auch UPS setzt schon länger auf die Kraft aus der Pedale, gestützt durch Elektroenergie.

Um mehrfache Anfahrten und damit gefahrene Kilometer zu minimieren, setzen die großen Logistikunternehmen auch immer mehr auf Packstationen. Das sind Kästen mit verschließbaren Fächern, in denen Pakete sowohl versendet als auch abgeholt werden können. Acht Millionen Menschen nutzen die Packstationen der Post. Und es sollen noch mehr werden: „Da die Nachfrage nach den Packstationen in vielen Regionen weiterhin groß ist, bauen wir auch immer noch weitere auf“, agt Ramin Benz, DHL-Experte für Logistik. „Das entlastet nicht nur den Kunden, der seine Sendung schneller und einfacher abholen kann, sondern am Ende auch die Umwelt.“

Obwohl die Packstationen und Paketshops meist in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten liegen – laufen muss der Kunde trotzdem, um sein Paket abzuholen. Abhilfe könnten in Zukunft „Smarte Paketkästen“ in Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern schaffen. Für die Einrichtung der Paketkästen kooperiert die Post in einem Pilotprojekt mit Berliner Wohnungsgesellschaften. Einmal im Haus installiert, können Zulieferer die Paketkästen mit einem Code öffnen und die Sendungen sicher ablegen. Der Kunde öffnet sie dann mit seinem Code. Gerade für besonders aktive Online-Besteller ist das enorm zeitsparend. 

Bündelung der Zuliefererdienste

Dem Mobilitätsforscher Andreas Knie geht das alles aber noch nicht weit genug. Er fordert, dass die Zulieferdienste kooperieren, um Mehrfachfahrten einzusparen und so einen Teil ihrer Zulieferautos von der Straße zu bekommen: „Wenn wir die ganzen Zulieferdienste zumindest im Innenstadtbereich bündeln würden, zum Beispiel mit Hilfe von Umschlagterminals, dann würden wir noch viel mehr Fahrten einsparen können“, sagt er. Dabei könnten für die letzte Meile Reviere für Zulieferer ausgeschrieben werden, und es müsste von administrativer Seite gewährleisten werden, dass keine Monopolbildung zustande kommt.

Ein erster, zunächst auf ein Jahr befristeter Versuch der Zusammenarbeit ist das Berliner Komodo-Modell mit dem Mikro-Depot, das von den Zulieferern gemeinsam genutzt wird.