Eine Legende in Kolumbien erzählt, wie gut sich die Einheimischen gegen die spanischen Eroberer vor 500 Jahren zur Wehr setzen konnten, und zwar mit einer Ausrüstung, die die mit eisernen Schwertern und metallenen Schutzpanzern vorrückenden Europäer nicht kannten. Die indigenen Stämme lebten nicht nur in Häusern aus Bambus sondern nutzten die einheimische Pflanze auch zur Herstellung von Lanzen und Rüstungen, bauten damit Fallen mit messerscharfen Spitzen. Während die Spanier Jahre später den Bambus mit nach Europa brachten, kamen auf dem Rückweg Steine und Stahl ins Land, die die Immobilienwelt in Südamerika seitdem prägen. Der Bambus geriet in Vergessenheit.

Andrés Bäppler gehört zu denen, die dabei sind, das zu ändern. Mit seiner Frau, die in Frankfurt am Main als Architektur-Professorin arbeitet, hat der Architekt vor einigen Jahren am Rand der kolumbianischen Millionenstadt Calí das Sozialprojekt „Schule fürs Leben“ gegründet. Deren Häuser bestehen fast vollständig aus der in Südamerika verbreiteten Bambusgattung Guadua – Klassenräume, die Kantine, selbst die Tore auf dem Sportplatz. „Wir wollen den Nachweis erbringen, dass man mit Guadua genauso stabil und hochwertig bauen kann wie mit herkömmlichen Materialien – und deutlich günstiger“, sagt Bäppler. Trotz der präkolumbianischen Geschichte oder gerade deshalb.

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