Das Ende der Welt lag an der Nordwestküste Afrikas. Und man hatte nicht wirklich Lust, es sich anzuschauen. „Kap des Schreckens“ nannten die europäischen Seeleute des 15. Jahrhunderts die Stelle südlich der kanarischen Inseln, an der ein Gebirgszug namens Dschebel el Aswad aus der Sahara ein Stück weit in den Atlantik hineinragt.

Der Albtraum jedes Kapitäns: Widrige Winde, gefährliche Felsen und Sandbänke, häufiger Nebel. Und wer konnte wissen, was sich südlich des Kaps verbarg, an dem alle Seekarten endeten? Wer wollte sich einem solchen Risiko aussetzen? Es waren viele. Ein Kapitän nach dem anderen versuchte, das Kap zu bezwingen. Und das alles wegen ein paar Bäumen in Indien und Südostasien.

Besondere Gewächse locken Entdecker

Es war eine jener Episoden, in denen Pflanzen Geschichte geschrieben haben – was ihnen im Laufe der Zeit bei etlichen Gelegenheiten gelungen ist. Besondere Gewächse haben Entdeckungsreisende in neue Welten gelockt, jede Menge Unfrieden gestiftet und Börsencrashs ausgelöst. Und einige hatten sogar genug Einfluss, um kleine Länder zu Supermächten aufzubauen.

Genau auf diese verlockende Möglichkeit spekulierte im 15. Jahrhundert ein Mann, dem das Schreckenskap ein Dorn im Auge war. Der portugiesische Königssohn Heinrich der Seefahrer war entschlossen, endlich einen Seeweg zu den Gewürzen Asiens erforschen zu lassen. Denn mit Pfeffer und Nelken, Zimt und Muskat konnte man sich damals eine goldene Nase verdienen.

Für solche exotischen Genüsse aus dem fernen Asien wurden in Europa astronomische Preise gezahlt. Auf dem Landweg ging die kostbare Ware allerdings durch die Hände von indischen, persischen, arabischen, türkischen und venezianischen Zwischenhändlern, die einen guten Teil des Profits einstrichen. Ganz abgesehen von den hohen Zöllen, die beim Transport durch das Osmanische Reich fällig wurden. Beide Probleme gedachte Heinrich der Seefahrer durch eine neue Schiffsroute um Afrika herum auf einen Schlag zu lösen.