Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir“, schrieb einst Seneca und kritisierte damit den Zustand römischer Philosophenschulen. Doch wie ist es heute? Bereitet die Schule wirklich aufs Leben vor? Dieser Frage nahm sich eine neue Pisa-Studie 2012 zum „Kreativen Problemlösen“ an, deren Ergebnisse am Dienstag veröffentlicht worden sind. Deutschlands Schüler landeten auf dem 17. Rang unter 44 OECD-Ländern und Regionen.

Von den Leistungen her liegen sie mit 509 erreichten Punkten leicht über dem internationalen Durchschnitt von 500 Punkten. Zum Vergleich: Singapur gelangte auf den ersten Platz mit 562 Punkten, das Schlusslicht Kolumbien schaffte nur 399.
Insgesamt wurden etwa 85.000 Fünfzehnjährige in 44 Ländern getestet, ob sie gelerntes Wissen auf Lebensprobleme anwenden können. Sie mussten auf einem Stadtplan die günstigste Route finden, eine Klimaanlage einstellen oder an einem Fahrkartenautomaten Tickets in verschiedenen Variationen kaufen.

Obwohl asiatische Bildungssysteme oft als reine Paukanstalten verschrien werden, schaffen es hier die meisten Schüler, sich mit komplexen Situationen systematisch auseinanderzusetzen. So gelingt es 56 Prozent der 15-Jährigen in Singapur oder Korea, ein elektronisches Gerät wieder in Gang zu bringen. Im OECD-Durchschnitt sind es nur 31 Prozent. Vor Deutschland liegen in der Rangliste auch noch Japan, China Kanada, Australien, Finnland, England, Estland, Frankreich oder Italien.

Um Probleme zu lösen, muss man in der Lage sein, Vorgegebenes anzuzweifeln, aus Fehlern zu lernen und intuitiv vorzugehen, sagen die Pisa-Forscher. Hier haben deutsche Schulen große Rückstände. 20 Prozent der Schüler erreichen beim Problemlösen nicht mal das Basisniveau. In Japan und Korea dagegen sind es nur sieben Prozent.

Die deutsche Spitzengruppe umfasst 13 Prozent der Schüler, 60 Prozent davon sind Jungen. Gute Problemlöser sind meist auch gut in Mathe, Lesen und Naturwissenschaften. Dennoch wirkt sich beim Problemlösen die soziale Herkunft der Schüler weniger stark aus als bei anderen Pisa-Tests. Das hängt damit zusammen, dass man den Umgang mit Alltagsproblemen auch außerhalb der Schule lernen kann – und offenbar in den meisten Fällen sogar muss.