Prost Neujahr!: Wenn Tiere Alkohol trinken

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Sherry zur Suppe, Weißwein zum Fisch, Champagner zum Huhn und Portwein zum Obst – auch in diesem Jahr wird Butler James im Silvester-Kultsketch „Dinner for One“ wieder feststellen, dass ihn dieses Programm doch leicht überfordert. Und so manchem echten Partygast dürfte es zu Silvester nicht viel anders gehen. Bei wenigen anderen Gelegenheiten wird traditionell so häufig angestoßen wie zum Jahreswechsel. Doch wer Alkoholgenuss für eine menschliche Erfindung hält, täuscht sich.

Manche Tiere sind sogar wesentlich trinkfester als Homo sapiens. Einige der lästigsten Alkohol-Fans kennt jeder Biergartenbesucher, der schon einmal kleine, schwarze Insekten aus seinem Glas gefischt hat. Die Fruchtfliegen der Gattung Drosophila scheinen sich von Bier magisch angezogen zu fühlen. Zuerst folgen sie dem Geruch und sobald sie auf dem Glas gelandet sind, kommt ihr Geschmackssinn zum Einsatz. Erst kürzlich haben Insektenforscher um Anupama Dahanukar von der University of California einen speziellen Rezeptor entdeckt, der mit Nervenzellen im Mundbereich der Insekten verbunden ist.

Er spricht auf die süßlich schmeckende Verbindung Glycerin an, die bei der Gärung entsteht und daher im Bier enthalten ist. Und sobald er dem Nervensystem der Tiere diese Substanz meldet, sind die Plagegeister kaum noch zu vertreiben.

Schlüssel im Erbgut

Dabei können sie genauso betrunken werden wie Menschen auch. Wenn alkoholselige Insekten beim Fliegen das Gleichgewicht verlieren und unkoordiniert zu Boden trudeln, sind das deutliche Anzeichen für zu viele Promille im Körper. Allerdings haben manche Fliegen viel weniger mit solchen Ausfällen zu kämpfen als andere.

Der Schlüssel für ihre Trinkfestigkeit liegt offenbar in ihrem Erbgut. Dort haben Henrike Scholz und ihre Kollegen von der Universität Würzburg 2005 ein Gen entdeckt, das sie nach dem englischen Wort für einen alkoholbedingten Kater auf den Namen „Hangover“ getauft haben. Diese Erbinformation sorgt offenbar dafür, dass die Tiere ähnlich wie menschliche Gewohnheitstrinker mit der Zeit immer größere Alkoholmengen vertragen. „Hangover“ sei Dank ist der zweite Rausch schon längst nicht mehr so schlimm wie der erste. Wenn das Gen nicht richtig funktioniert, wird aus einer Fliege dagegen nie ein echter Kampftrinker.

Halb weggetretene Igel, torkelnde Elefanten

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Insekten sind aber nicht die einzigen Tiere, die mitunter besoffen durch die Gegend torkeln. Aus Großbritannien kommen zum Beispiel immer wieder Berichte über halb weggetretene Igel, die mit Bier gefüllte Schneckenfallen ausgetrunken haben. Und viele Afrika-Reisende haben schon von Elefanten erzählt, die angeblich von den vergorenen Früchten des Marula-Baums berauscht über die Savanne wankten.

Diese Geschichten haben Steve Morris und seine Kollegen von der University of Bristol in Großbritannien allerdings ins Reich der Legenden verwiesen. Denn zum einen fressen die Dickhäuter die mirabellengroßen Früchte fast nur frisch vom Baum. Auf dem Boden liegende Exemplare, die nach drei oder vier Tagen Gärung tatsächlich rund drei Prozent Alkohol enthalten können, verschmähen sie dagegen meist. Doch selbst wenn sie sich mit dem halb vergammelten Obst anfreunden könnten, müssten die massigen Tiere nach Berechnungen der Forscher schon das Vierfache einer normalen Tagesration in sich stopfen, um sich einen merklichen Rausch anzufressen.