"Ich muss es doch genau wissen. Ich hab es schließlich selbst erlebt!“ Diese Sätze sind eines der stärksten Argument in einem Streit. Viele Menschen glauben, das  Gedächtnis sei so etwas wie ein Videofilm, unbestechlich und unveränderlich. Dabei gibt es kaum etwas Trügerischer und Beeinflussbareres als unsere Erinnerungen. „Wenn es um unser Gedächtnis geht, sind die Begriffe Wahrheit und Lüge nicht sehr hilfreich“, sagt der niederländische Gedächtnisforscher Douwe Draaisma.

Das beginnt schon bei Kleinigkeiten, die wohl jeder alltäglich erlebt. Ein Beispiel: Ein Paar geht spazieren. Bei der Rückkehr zu ihrem Haus merken beide, dass sie den Schlüssel vergessen haben. Und es beginnt ein Streit, bei dem Erinnerungen aufeinandertreffen, die gerade eben erst entstanden sind: „Ich hatte dir doch extra noch gesagt: Steck' den Schlüssel ein!“ – „Nein, hattest du nicht. Du wolltest ihn einstecken.“ – „Nein, ich weiß noch genau, dass ich hier an der Kommode stand, als ich das sagte ...“ So kann das stundenlang weitergehen, ohne dass beide das wirkliche Geschehen je rekonstruieren werden.

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