Warum haben Sie sich mit Fehlern im Publikationssystem befasst?

Meine beiden Kollegen und ich sind im Forschungsbereich tätig. Wir haben viel darüber gesprochen, wie das wissenschaftliche System funktioniert und welche Probleme es gibt. Zu diesem Thema gibt es zwar schon Untersuchungen, aber in den letzten Jahrzehnten hat sich am Prinzip des wissenschaftlichen Publizierens nichts verändert.

Wie sind Sie bei Ihrer Untersuchung vorgegangen?

Wir haben eine Datenbank ausgewählt, in der wissenschaftliche Artikel verzeichnet sind. Besonders interessierten uns die Meta-Daten. Wir untersuchten, welche Forscherinnen und Forscher in den verschiedenen Wissenschaftsbereichen am erfolgreichsten publizieren.

Welche Probleme sind Ihnen dabei aufgefallen?

Wir haben uns besonders mit Zitationskartellen beschäftigt – sie funktionieren wie andere Kartelle. Es gibt auf dem Wissenschaftsmarkt verschiedene Zeitschriften, in denen Forscherinnen und Forscher veröffentlichen können. Das Journal wird – ähnlich wie der Wissenschaftler – daran gemessen, wie oft Artikel aus dem Journal zitiert werden. Daraus wird der sogenannte Journal-Impact-Faktor, also der Einflussfaktor, errechnet.

Er ist eine Art wissenschaftliche Währung und macht die Attraktivität des Journals aus. Wenn man ihn erhöhen will, kann man andere Journale gründen und Artikel veröffentlichen, die das andere Magazin ganz oft erwähnen.

Ist es denn einfach, ein Journal zu gründen?

Es ist so, als würde man eine Firma gründen. Da Wissenschaft international ist, können Journale relativ einfach etabliert werden. Im Ausland sind die Maßgaben hierfür zum Teil nicht so streng.

Wie verschaffen sich einige Forscher möglichst viele Veröffentlichungen?

Das fängt oft schon im Kleinen an: Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihren Doktoranden vorgeben, Namen mit auf die Veröffentlichung zu schreiben, obwohl diese keine Autoren sind. Oder man schickt einem Kollegen einen Datensatz unter der Bedingung, dass man als Autor im Beitrag genannt wird. Das entspricht nicht den Richtlinien der guten wissenschaftlichen Praxis. Solche Beispiele ärgern uns besonders, weil die Forscherinnen und Forscher nicht viel Arbeit, Zeit und Geld investieren, um als Autoren genannt zu werden. 

Was wollen Sie mit den Ergebnissen Ihrer Untersuchungen machen?

Wir stellen sie nach und nach auf unseren Blog. Dort kommentieren wir die Daten und ordnen sie den Sachverhalten zu. Außerdem machen wir Vorschläge, welche Bedeutung beispielsweise der Begriff Autor in Zukunft haben könnte. Unsere Arbeit soll transparent sein, auf unserem Blog können die Beiträge auch kommentiert werden.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Blog?

Wir wollen eine Plattform bieten, auf der sich auch andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler äußern und ihre eigenen Erfahrungen schildern können. Mit unseren Untersuchungen werden wir in der wissenschaftlichen Community keine große Überraschung auslösen.

Der Name unseres Blogs „Elephant in the Lab“ leitet sich von der englischen Redewendung „There is an Elephant in the Room“ ab. Das bedeutet im übertragenen Sinne, dass es offensichtliche Probleme gibt, über die niemand redet. Wir hoffen, dass es durch unsere Veröffentlichung mehr Leute gibt, die etwas ändern wollen.