Eine Ariane-5 hebt in Kourou ab. Sieht man so etwas künftig auch hierzulande?
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BerlinRaketenstarts in Rostock-Laage oder Nordholz bei Cuxhaven? Das könnte künftig möglich sein. Denn einem Antrag der Großen Koalition zufolge soll künftig mehr Geld für deutsche All-Missionen ausgegeben werden. Zugleich soll die europäische Raumfahrtagentur Esa weniger Geld aus Deutschland erhalten, wie die Süddeutsche Zeitung am Dienstag berichtete. Dem widersprach inzwischen das Bundeswirtschaftsministerium. Das deutsche Esa-Budget werde in etwa gleich bleiben, heißt es. Derzeit ist Deutschland mit etwa 927 Millionen Euro jährlich der zweitgrößte Beitragszahler unter den Esa-Mitgliedsstaaten nach Frankreich, das 1,2 Milliarden Euro zahlt.

„Wir brauchen einen unabhängigen Zugang zum All“

Dennoch gibt es Bestrebungen, stärker in deutsche Missionen zu investieren. Dazu gehört auch die Idee eines eigenen Weltraumbahnhofs. Er kommt vor allem von der Industrie. „Wir brauchen einen unabhängigen Zugang zum All“, sagte Andreas Hammer vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, etwa für kleine Trägerraketen, die Satelliten transportieren. Eigene Systeme seien in der Raumfahrt wichtig, gerade mit Blick auf mögliche „robuste Auseinandersetzungen“, also Krisen und Konflikte, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die deutsche Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek.

Ende November verhandeln die Esa-Mitgliedsländer in Sevilla über gemeinsame europäische Raumfahrtprogramme. „Es liegt jetzt bei den Mitgliedsstaaten, wie viel sie in den verschiedenen Programmen zeichnen. Am 28. November haben wir Gewissheit“, sagte Esa-Generaldirektor Jan Wörner. Erst vor wenigen Tagen plädierte er in einem Interview dafür, dass Deutschland nicht weniger, sondern mehr Geld in europäische Projekte investiert – etwa in Programme, die mit dem Klimawandel zu tun haben.

Raumfahrt als wichtige Infrastruktur für Navigation und Wettervorhersage

Die Raumfahrt biete heute die entscheidende Infrastruktur, unter anderem für die Navigation und die Wettervorhersage, meinte Wörner. Für die aktuellen Programme sieht der Esa-Chef einen ganz wichtigen Schwerpunkt: die Beräumung des Weltraumschrotts. Die Esa geht von mehr als 900 000 Fremdkörpern aus, die um die Erde schwirren und größer als ein Zentimeter sind, darunter viele alte Satellitenteile. „Wir müssen zwei Dinge machen“, sagt Wörner. „Wir müssen erstens alles, was da oben an Schrott ist, runterholen.“ Zweitens müsse geplant werden, wie es sich in Zukunft vermeiden lässt, dass weiterer Schrott entsteht. „Und beides haben wir in dieser Ministerratskonferenz vorgesehen.“

„Auch für uns ist die Entfernung von Weltraumschrott zentral“, sagt der deutsche Raumfahrt-Koordinator Jarzombek. Er spricht sich für ein internationales Regelwerk aus. „Das wollen wir sowohl auf UN-Ebene, als auch europäisch und mit den US-Amerikanern in Angriff nehmen, die da momentan auch sehr nach vorne gehen.“