Im Januar 2006 landete in der Wüste von Utah an einem Fallschirm ein Raumschiff, das einer fliegenden Untertasse verdächtig ähnlich sah. Doch nicht Außerirdische waren gekommen, sondern die sieben Jahre zuvor gestartete Kapsel des Raumschiffs Stardust. Die Nasa-Sonde war an dem Kometen Wild 2 vorbeigeflogen, hatte erstmals in der Geschichte der Raumfahrt Staubteilchen aus dessen Schweif eingesammelt und zur Erde gebracht.

Neben dieser wertvollen Fracht befanden sich wenige Partikel an Bord, die aus den Tiefen des interstellaren Raumes in unser Sonnensystem gekommen waren. Diesen Sternenstaub haben Forscher aus aller Welt nun identifiziert und mit verschiedenen Methoden untersucht. Vermutlich stammt er aus fernen Wolken, in denen neue Sterne entstehen, wie die Forscher im Fachmagazin Science schreiben.

Stardust hatte ein Fanggerät an Bord, das wie ein Tennisschläger ausgefahren werden konnten. Auf der einen Seite sammelte es Staub vom Kometen, auf der anderen die interstellaren Partikel. Als Auffangmaterial diente ein ultraleichter, poröser Glasschaum (Aerogel), in dem die einschießenden Partikel steckenblieben. Doch die Suche nach den nur tausendstel Millimeter kleinen Bröckchen im Innern der Einschusskanäle war so zeitraubend, dass Projektleiter Andrew Westphal von der University of California in Berkeley ein weltweites Netz von rund 30.000 Freiwilligen für die Suche aufbaute.

Herkunft unbekannt

Dafür wurden die Aerogel-Fänger mit einem Mikroskop Stück für Stück aufgenommen und dann mehr als eine Million Bildausschnitte mit jeweils einem halben Millimeter Kantenlänge an die Mitglieder des Netzwerks verschickt. „Ein in Vollzeit beschäftigter Mensch hätte für die Analyse drei Jahre benötigt“, so Westphal. Das Ergebnis jahrelanger Suche: drei interstellare Partikel fanden sich im Aerogel, vier weitere waren auf dem Aluminiumrahmen des Staubfängers eingeschlagen und hatten dort winzige Krater und Materialreste hinterlassen.

„Überrascht hat uns die Porosität der Teilchen“, sagt der an der Studie beteiligte Mario Trieloff von der Universität Heidelberg. Viele Forscher waren nämlich der Meinung, dass solche flockigen Partikel unter dem Dauerbeschuss kosmischer Strahlung im Laufe von Jahrmillionen auf ihrem Weg durch die Milchstraße zerstört würden. Und selbst den Aufprall mit 30.000 Kilometer pro Stunde und mehr im Aerogel hat das Mineral überstanden. Außerdem waren die Forscher überrascht davon, dass zwei Körnchen zum Teil aus regelmäßig-kristallinem Mineral bestehen. Sie hatten eher mit ungeordnetem Material gerechnet, weil ein Kristallgitter unter den harschen Weltraumbedingungen relativ schnell zerstört würde.

Die Herkunft der winzigen Körnchen ist nicht bekannt. Aus deren Mineralogie schließen die Forscher aber vorsichtig, dass das eine von ihnen aus einer dichten Staubwolke gekommen sein könnte, wie sie Astronomen in vielen Bereichen der Milchstraße beobachten. Das andere Teilchen könnte aus der Staubscheibe eines jungen Sterns stammen, in der Planeten entstehen. Diese Frage wollen die Forscher zukünftig mit weiteren Analysen angehen. Außerdem ist der Aerogelfänger noch längst nicht vollständig durchsucht. Westphal rechnet damit, letztendlich ein Dutzend Sternenstaubboten zu finden.