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Quelle. AFP

BerlinDie Bundesregierung hat offensichtlich weiterhin große Schwierigkeiten, die Entwicklung der Corona-Warn-App voranzutreiben. Mitglieder des Digital-Ausschusses des Bundestages klagten jedenfalls nach der Sitzung am Mittwoch, dass es noch viel mehr Unklarheiten gebe, als man erwartet hatte. 

Die Bundesregierung hatte am Dienstag erklärt, dass sie ihre bisherige Zusammenarbeit mit der internationalen Initiative, die unter dem Namen PEPP-PT auftrat, gelöst hatte und SAP und die Telekom die Federführung des Projekts übernehmen sollten. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Institut CISPA sollen bei der Entwicklung beratend tätig werden. Verträge sind mit den großen Unternehmen offensichtlich noch nicht unterzeichnet, auch die Höhe des Budgets steht wohl noch nicht fest. Für die bisherige App-Entwicklung hat die Regierung mehr als 600.000 Euro ausgegeben, kam am Mittwoch heraus.

Irritierend wirkte offensichtlich auch die Aussage, wie bisher mit Apple umgegangen wurde. Vor Tagen hieß es noch, dass Druck aufgebaut werde, damit das US-Unternehmen die Funktionsfähigkeit der europäischen App auf iPhones sehr bald ermögliche. Ob das aber auch wirklich geschehen ist, konnte während der Sitzung nicht geklärt werden. Anke Domscheit-Berg von der Linksfraktion fragte mehrmals nach, ob Kanzleramt oder Gesundheitsministerium aktiv geworden seien. Zunächst wurde die Frage verneint, später hieß es, man müsse bei den zuständigen Stellen nachfragen.

„Die Regierungsseite vermittelt den Eindruck, als ob sie keinerlei eigene Digital- und Projektmanagement-Kompetenzen in ihren eigenen Reihen hat“, sagte Mario Brandenburg, technologiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.   Der Eindruck wird dadurch verstärkt, dass immer mehr Länder mit App-Lösungen auf den Markt kommen, zuletzt hatte die australische Regierung ihr Konzept vorgestellt. Brandenburg begrüßte allerdings, dass am dezentralen Umgang mit den Daten festgehalten werde. In den vergangenen Tagen hatte die Bundesregierung erklärt, dass sie sich von einer zentralisierten Datenspeicherung verabschiede, die von der Initiative PEPP-PT bevorzugt worden war. Allerdings sah das Konzept auch eine Option für eine dezentrale Speicherung vor.

Die Initiative PEPP-PT will ihr Know-how aber bereitstellen. Das teilte die Gruppe aus Wissenschaftlern, Unternehmern und einzelnen Entwicklern am Mittwoch mit. Man habe in den vergangenen Wochen in einem riesigen Kraftakt eine europäische Software-Architektur für länderspezifische Corona-Contact-Tracing-Apps entwickelt. „Wir stellen unsere Erkenntnisse, Testergebnisse und technischen Komponenten weiterhin allen zur Verfügung“, hieß es.  

Auch Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik bei den Grünen, begrüßte die Entscheidung, auf eine dezentrale Lösung zu setzen. Sie betonte aber auch: „Für uns Grüne bleibt weiterhin eine wichtige Forderung, dass die App von einem eigenen Gesetz begleitet werden soll, das den Einsatzbereich klar eingrenzt und somit sicherstellt, dass die anfallenden Daten auch in der Zukunft nicht doch in anderen Kontexten genutzt werden.“

Schnittstellen von Google und Apple

Unterdessen teilten Google und Apple am Mittwochabend mit, dass sie eine erste Vorab-Version ihrer Schnittstellen für die geplanten Corona-Warn-Apps bereitstellen. Zugang dazu bekommen ausgewählte App-Entwickler, die mit Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten, berichtet dpa.

Von Google und Apple kommen die beiden relevanten Smartphone-Systeme - Android und die iOS-Software der iPhones. Sie sind damit als einzige in der Lage, die Basis für eine effiziente Einbindung der Corona-Apps in die Telefone zu schaffen. Experten gehen davon aus, dass die meisten Entwickler und Länder am Ende auf die Vorlage von Apple und Google einschwenken.

Google stellt am Mittwoch die Beta-Version der Schnittstellen über seine Google-Play-Plattform bereit. Apple veröffentlicht unter anderem eine Vorab-Version der iOS-Software, mit der das Warn-System bereits funktionieren soll.

Beim Konzept von Apple und Google soll die Entfernung zwischen Smartphones anhand der Bluetooth-Signalstärke gemessen werden. Die Smartphones sollen zudem per Bluetooth Krypto-Schlüssel austauschen, die sich alle 10 bis 20 Minuten ändern. Damit soll man Begegnungen nachvollziehen können, ohne dass ein Einzelner nachverfolgbar wäre. Der Abgleich mit Schlüsseln von infizierten Personen soll ausschließlich auf den einzelnen Geräten erfolgen.