Die gesamte Republica ist ein Gewusel aus Menschen, die mehr oder weniger orientierungslos durch die Räume und Höfe der Station am Gleisdreieck taumeln. Die gesamte Republica? Nein! Mitten im Zentrum sitzen junge und weniger junge Menschen, die drei Tage lang daran arbeiten, dem Chaos eine Ordnung zu geben. Sie besuchen Veranstaltungen, befragen Experten und recherchieren an den Ständen und geben sodann einen detaillierten Überblick über jeden Konferenztag.

Die Berliner Zeitung, die Deutsche Journalistenschule München und der e-book-Publisher epubli arbeiten im Team, um das schnellste Buch der Welt zu veröffentlichen. Drei Tage lang hintereinander können alle, die mehr über die Digitalmesse und die Diskussionen der gleichzeitig stattfindenden Media Convention wissen wollen, ein neues E-Book über die Veranstaltungen des Vortages herunterladen (re-Publica.de/Reader). Wer es bis zwölf Uhr schafft, bekommt es sogar gratis.

Der erste Band, der gestern erschien, befasste sich mit dem Motto der Veranstaltung „Finding Europe“ und zitierte mit „Ach, Europa“ einen Stoßseufzer des Philosophen Jürgen Habermas, dem die jüngeren Teilnehmer auf diese Weise erstmals begegnen dürften. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken. Auf mehr als hundert Seiten präsentiert der erste E-Reader die Diskussion um Pegida, über geschlossene Grenzen und die Hürden, die behinderte Menschen täglich überwinden müssen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Zudem gibt es Interviews mit Teilnehmern, die gar nichts sagen müssen und unverzichtbare Rubriken wie den Fauxpas des Tages und natürlich den Tweet des Tages.

Island ist Internetwunderland

Die harten News fehlen indes nicht. Oder wussten Sie, dass in Island sagenhafte 98 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 74 Jahren einen Internetzugang haben? In Deutschland sind es immerhin noch 86 Prozent, was deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 78 Prozent liegt.

Erstellt wird der Reader über einen Zeitraum von zwölf Stunden. Jeden Morgen um 9.30 Uhr treffen sich alle Mitarbeiter zur Redaktionskonferenz. Wenig später ist der große quadratische Tisch dann schon wieder verwaist. Alle sind unterwegs auf den verschiedensten Veranstaltungen. Und immer treffen sie dort Menschen, die das Gefühl haben, gerade etwas anderes Wichtiges an einem anderen Ort zu verpassen. Was meist auch so ist: Der Faltplan des Tagesprogramms der Republica hat die Größe eines Badewannenvorlegers.

Sobald die Workshops und Diskussionen vorbei sind, wird es wieder voll im Open-Air-Büro. Jetzt werden die Artikel verfasst, was schnell gehen muss, weil gleich die nächste Veranstaltung ansteht. Und vor allem weil gleich der nächste Kollege eines der Laptops braucht, um seine Geschichte schreiben zu können.

LeFloid stöhnt verzweifelt

Im E-Reader fehlen auch Videos nicht. Sie werden von den Schülern der DJS produziert, in Zusammenarbeit mit dem Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ). Dass es sich um Journalistenschüler handelt, merkt man bei den Dreharbeiten allerdings nicht. So klinkten sich die ebenso toughen wie freundlichen jungen Kollegen der Journalistenschule kurzerhand ins vorab geplante Interview der Kollegin von der Berliner Zeitung mit dem YouTube-Star Florian „LeFloid“ Mundt ein. Sie schafften es sogar, den sprachgewaltigen Youtuber mal kurz sprachlos zu machen, indem sie ihn nach seiner Meinung zur Frauenquote fragten. Mit der Bitte um eine kurze Antwort. Die kam auch – als verzweifeltes Stöhnen.

Im E-Reader des zweiten Tagungstages, den Sie sich herunterladen können, sobald Sie diesen Artikel fertiggelesen haben, geht es vor allem um die Medien. Fernseh-Journalisten tauschten sich mit Zeitungskollegen aus, und beide Gruppen wiederum mit ihren Kollegen, die vor allem im Netz veröffentlichen. Morgen geht es dann thematisch um die Stadt der Zukunft. Bis dann!

Den eReader gibt es für iPhone und Android in vielen Stores, zum Beispiel bei Amazon oder iTunes.