Ein paar Tastenbefehle sind bei manchen Geräten notwendig, damit die Corona-Warn-App auch zuverlässig informiert. 
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BerlinDie Aufregung war zunächst groß, nachdem die Bild-Zeitung berichtet hatte, dass die Corona-Warn-App Mängel gehabt habe und deshalb auf Millionen von Geräten nicht richtig funktionieren konnte. Das Unternehmen SAP, das zusammen mit der Telekom die App entwickelt hat, antwortete prompt. „Die App hat keinen Fehler“, hieß es in einem SAP-Statement.

Richtig ist, dass in den vergangenen Wochen Nutzer darüber geklagt hatten, dass die automatische Hintergrundaktualisierung nicht richtig funktionierte. Zwar wurden die Daten per Bluetooth zwischen den Geräten ausgetauscht, die aktuellen Schlüssel positiv getesteter Personen seien aber nur empfangen worden, wenn die App geöffnet war, teilte SAP mit.

Einige Smartphone-Hersteller hatten aus Gründen des Energiemanagements die automatische Hintergrundaktualisierung in den Standardeinstellungen ausgeschaltet, es ging ums Stromsparen. „Diese speziellen Einstellungen folgen allerdings nicht den Google-Standards. Aus diesem Grund drängen wir darauf, dass alle betroffenen Smartphone-Hersteller dies unverzüglich entsprechend anpassen“, schrieb Jürgen Müller aus dem SAP-Vorstand in einem Beitrag bei LinkedIn. Huawei habe inzwischen bestätigt, diese Konfiguration korrigiert zu haben, hieß es weiter. 

Die politischen Parteien in Berlin reagierten verärgert. „Es ist schon grob fahrlässig, dass das Gesundheitsministerium offenbar verschwiegen hat, dass die Warnung bei verschiedenen Geräten längere Zeit nicht erfolgte“, sagte Frank Sitta, der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, der Deutschen Presse-Agentur. 

Das Gesundheitsministerium erklärte, das Problem sei seit längerem bekannt und auch Thema in den „Fragen und Antworten“ (FAQ) der App. Der SPD geht das aber nicht weit genug. „Es ist mehr als ärgerlich, dass die zuständigen Fachpolitiker von dieser Sache aus den Medien erfahren. Ich hätte mir eine offene Kommunikation durch das Gesundheitsministerium gewünscht“, kritisierte Zimmermann.

In den vergangenen Monaten hatte die Corona-Warn-App immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, zunächst wurde ein viel zu früher Zeitpunkt für die Veröffentlichung genannt, später gab es massive Bedenken beim Datenschutz, und dann wurde das Entwicklerteam von seinen Aufgaben entbunden. Telekom und SAP erhielten den Auftrag für rund 20 Millionen Euro. 

Inzwischen ist die App insgesamt in zehn europäischen Ländern verfügbar, auch in Frankreich, Tschechien und Polen. Nach einem rasanten Start direkt nach der Veröffentlichung Mitte Juni ist die App allerdings seltener als zu Beginn installiert worden, zurzeit liegt die Zahl der Downloads bei 16,2 Millionen.

Experten gehen davon aus, dass etwa 600 Infizierte die Möglichkeit hatten, mit der App vor der Gefahr einer Ansteckung zu warnen, das berichtete das Fachmagazin „Connect“. Wie viele Personen tatsächlich die Community informierten, ist aus Gründen des Datenschutzes nicht nachvollziehbar. 

So lässt sich nach Angaben von SAP die App auf den neuesten Stand bringen: „Öffnen Sie dazu die Corona-Warn-App nach dem Update einmal kurz und gehen Sie über das Menü der App in die Einstellungen. Diese finden Sie, indem Sie auf die drei untereinanderstehenden Punkte rechts oben in der App tippen. Im Einstellungs-Menü findet sich der Punkt ‚Priorisierte Hintergrundaktivität‘. Diese Funktion lässt sich per Schieberegler einschalten. Damit ist das Problem mit der automatischen Hintergrundaktualisierung behoben.“