Schädliche Edelmetallteilchen in Textilien: Socken gefährden die Umwelt

Matratzenbezüge, Teppiche, Jacken, T-Shirts, Socken, Slips, Wischtücher – in all diesen Textilien befinden sich oft Nanopartikel aus Silber. Diese winzigen Edelmetall-Teilchen, nur Millionstel Millimeter groß, sollen Bakterien töten, die Schweiß in Mief umwandeln. Doch jetzt zeigt eine Studie, dass das Nanosilber zur Gefahr für die Umwelt werden kann.

Schon nach wenigen Waschgängen entlassen viele Textilien einen Großteil des Nanosilbers ins Abwasser, ergab das Projekt „Umsicht“, in dem Industrie, Forscher und Behörden den Weg des Nanosilbers in die Umwelt untersuchten. Es hatte ein Budget von 3,7 Millionen Euro. Über Klärschlamm gelangt Nanosilber auf Felder, wo es wichtige Bodenbakterien beeinträchtigt. „Bei wiederholtem Aufbringen kann ein Risiko für die Organismen nicht ausgeschlossen werden“, sagte Karsten Schlich vom Fraunhofer-Institut in Schmallenberg.

Nanosilber kommt so in die Böden

Nach fünf Waschgängen gaben Textilien zwischen fünf Prozent (Wischtücher) und 30 Prozent (Socken) des Nanosilbers frei, berichtete die Forscherin Edith Claßen vom privaten Hohenstein-Institut. Von den Forschern selbst hergestellte Textilproben, die das Nanosilber an der Oberfläche der Fasern trugen, setzten nach einem bis sechs Waschgängen mehr als 90 Prozent des Nanosilbers ins Waschwasser frei. Im Klärwerk bleiben 90 Prozent des Nanosilbers im Klärschlamm hängen. In einigen Bundesländern wird dieser Schlamm auf Felder gebracht. Nanosilber kommt so in die Böden.

Wie Bodenproben ergaben, reagieren sogenannte Nitrifikanten am empfindlichsten darauf. Dies sind für den Stickstoffkreislauf wichtige Mikroorganismen. Das Nanosilber hemmte ihre Aktivität. Auch Pflanzen nahmen Silber in Spross, Wurzeln und Blätter auf und wuchsen weniger stark, wie das Team Karsten Schlichs zeigte.

Noch sehen die Forscher des Projekts „Umsicht“ kein akutes Risiko. Nach Modellrechnungen des Umweltbundesamtes enthält ein Kilo Klärschlamm derzeit zwischen 0,3 und 4 Milligramm Nanosilber. Tolerabel ist nach Berechnungen der Umsicht-Forscher das einmalige Aufbringen von 30 Milligramm Nanosilber pro Kilo Klärschlamm. Schlich plädierte dafür, den Silbergehalt in den Böden zu überwachen und einen Grenzwert einzuführen.