Schlafforschung: Schlaf macht Kinder schlau

Früh ins Bett, um ausreichend Schlaf zu bekommen – dabei machen nur wenige Kinder bereitwillig mit. Forscher der Universität Tübingen liefern Eltern nun neue Argumente, die ihre Sprösslinge vielleicht eher überzeugen, ins Bett zu huschen: Schlaf macht schlau. Das Gehirn wandelt während der Nachtruhe unbewusst Gelerntes in aktives Wissen um.

Das hat ein Team um Ines Wilhelm und Jan Born in einer Studie mit Kindern zwischen 8 und 11 Jahren herausgefunden. Wie die Forscher im Fachmagazin Nature Neuroscience berichten, hilft Nachtschlaf deutlich dabei, sich Zahlenreihenfolgen einzuprägen. Sie ließen die Kinder sowie eine Gruppe von jungen Erwachsenen eine festgelegte motorische Reihenfolge tippen. Anschließend wurde die Erinnerung an die Reihenfolge getestet – und zwar entweder nach einer Nacht Schlaf oder nach einem Tag im wachen Zustand. Wie sich zeigte, trägt Schlaf deutlich zum Lernen bei. Beide Gruppen konnten sich danach an eine größere Anzahl von Elementen aus der Zahlenreihenfolge erinnern als nach einem Tag im Wachszustand. Die Kinder übertrafen die jungen Erwachsenen dabei jedoch deutlich. Ihr Gehirn scheint besonders effizient darin zu sein, unbewusst Gelerntes in aktives Wissen umzuwandeln.

Tiefschlaf wichtig für die Gedächtnisbildung

Forscherin Ines Wilhelm vermutet, dass das mit der hohen Menge an nächtlichem Tiefschlaf zusammenhängt, den Kinder für gewöhnlich haben. Frühere Studien ihres Chefs Jan Born haben bereits gezeigt, dass dem Tiefschlaf offenbar eine besondere Rolle bei der Gedächtnisbildung zukommt. Und Kinder haben von Natur aus viel davon. Mit dem Alter nimmt die Zeit, die Menschen nachts im Tiefschlaf verbringen, ab. Das ist offenbar mit Bedacht eingerichtet, denn Kinder müssen schließlich noch viel lernen.