Sollen behinderte Kinder gemeinsam mit nicht-behinderten unterrichtet werden und nicht mehr in Förderschulen? In den 16 deutschen Bundesländern herrschen verschiedenen Meinungen dazu. Aber es gibt auch einen klaren Auftrag: Nach der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention hat jedes Kind mit einer Behinderung das Recht auf einen gemeinsamen Unterricht mit Gleichaltrigen ohne Behinderung. Nur, wie soll dieses Recht umgesetzt werden?

Eine, die das weiß, ist Cornelia von Ilsemann, die Vorsitzende des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz (KMK). Sie ist zugleich Senatsrätin in Bremen, dem einzigen Land, das noch im Jahr, in dem die Konvention in Kraft trat, das Schulgesetz änderte. „Bremische Schulen haben den Auftrag, sich zu inklusiven Schulen zu entwickeln“, heißt es. Das taten die Schulen dann auch, viel schneller als ursprünglich geplant. Das Ziel, alle Förderschulen – außer die für Seh-, Hör- oder Körperbehinderte – bis 2017 aufzulösen, wurde vom Elternwillen flugs überholt. Zu diesem Schuljahr votierten bereits 92 Prozent der Eltern von Schülern mit Behinderung für den Besuch allgemeinbildender Schulen. Das Resultat: Die wenigen verbliebenen Förderschulen werden schlicht nicht mehr besucht. Nun ist viel früher als geplant der Umbau der Oberschulen in vollem Gange. Damit Schüler mit Defiziten angemessen betreut werden, bekommt jede Sekundarschule ein Zentrum für Sonderpädagogik und jeder Jahrgang einen für seine Schüler zuständigen Sonderpädagogen. Gekostet hat das den kleinen, hochverschuldeten Stadtstaat nicht einmal allzu viel – nämlich 100 Stellen für Pädagogen.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.