Die 16-jährige Gymnasiastin Nina Hermann (Name verändert) hat bereits einen langen Tag hinter sich. Sie kommt gegen 16 Uhr aus der Schule, wirft sich erschöpft aufs Bett. Doch dann beginnt ihre zweite Schicht: Hausaufgaben! Sie lernt Vokabeln, büffelt für den Biologie-Test, rechnet Aufgaben in Mathe, schreibt Passagen aus einem Buch ab, flitzt zwischen Internet-Computer und Schreibtisch hin und her. Oft hat sie bis spät in den Abend zu tun. Manchmal ist sie einfach todmüde, dann sackt ihre Motivation in den Keller. Ihre Freizeit ist knapp. So wie ihr geht es Tausenden von Schülern in diesem Land.

Ohne auf die Tränendrüsen drücken zu wollen: Es bräuchte endlich eine breite Debatte über den Sinn oder Unsinn von Hausaufgaben. Denn gerade die jüngste Entwicklung hat die Lage für die Schüler noch verschärft. In Berlin verlässt im Sommer 2012 der erste Jahrgang die Gymnasien, der sein Abitur in zwölf statt dreizehn Jahren abgelegt hat, in Hessen folgt er 2013. Die Schüler hatten ein Jahr weniger zur Verfügung, um die gleiche Stoffmenge zu bewältigen wie ihre Vorgänger. „Die G8-Schüler müssen 35 bis 40 Unterrichtsstunden leisten, zu denen noch die Hausaufgaben- und Lernzeit hinzukommt“, schildert eine Internet-Schulseite. „Schnell summieren sich diese Stunden dann auf eine 50-Stunden-Woche.“ Oft werden es mehr sein.

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