„Anno 1800“ ist ein in der Zeit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert angesiedeltes Aufbaustrategiespiel.
Foto; Ubisoft

BerlinEigentlich waren es gute Monate für die Gamingbranche. Während des Lockdowns blieben die Menschen viel zu Hause und nutzten die Zeit auch dazu, sich mit Computerspielen zu beschäftigen. Die Branche meldete weltweit sehr hohe Nutzungsquoten und die großen Studios freuten sich über Umsatzzuwächse. Nur in Deutschland geht es der Branche nach wie vor nicht gut. 

Der Branchenverband Games teilte jetzt mit, dass die Anzahl der Beschäftigten, die Computerspiele in Deutschland entwickeln und vertreiben, zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen sei. Waren im Vorjahr noch 10.487 Menschen in diesen Bereichen beschäftigt, sind es aktuell nur noch 10.071. Ein Minus von vier Prozent.

Bereits im Vorjahr war der Kernarbeitsmarkt der Games-Branche in Deutschland geschrumpft, obwohl die Bundesbürger mehr Geld für digitale Spiele ausgaben. Der Umsatz stieg zuletzt um weitere sechs Prozent auf 6,2 Milliarden Euro. Hier sind aktuell 16.840 Menschen beschäftigt.

Nur im erweiterten Arbeitsmarkt der Games-Branche, zu dem auch Beschäftigte bei Dienstleistern, im Handel, bei Bildungseinrichtungen, Medien und im öffentlichen Sektor gezählt werden, konnte ein Anstieg um fünf Prozent beobachtet werden.

„Die Beschäftigtenzahlen zeigen, dass wir in Deutschland aktuell auf der Stelle treten. Zwar wurden mit der Bereitstellung von Fördermitteln des Bundes entscheidende Weichen für ein Wachstum der deutschen Games-Branche und den Anschluss an die internationale Entwicklung gestellt. Da das entscheidende Förderprogramm aber noch nicht gestartet ist, fehlt aktuell noch der erwartete Wachstumsimpuls“, sagt Verbandsgeschäftsführer Felix Falk. In seinem Statement erwähnte Falk auch die Förderpläne der Europäischen Union, auf die er große Hoffnungen setzt.

Im internationalen Vergleich wird deutlich, wie groß das ungenutzte Potenzial ist: So hat Kanada, wo bereits seit einigen Jahren diese Branche  stark gefördert wird, nur knapp halb so viele Einwohner wie Deutschland, aber mit rund 27.700 beinahe dreimal so viele Beschäftigte in der Games-Branche. Umgerechnet bestünde danach in Deutschland ein Potenzial von bis zu 60.000 Arbeitsplätzen im Kernarbeitsmarkt der deutschen Games-Branche. Auch in Großbritannien, das rund 15 Millionen weniger Einwohner hat, sind mit rund 20.430 fast doppelt so viele Menschen in der Entwicklung und beim Vertrieb von Computer- und Videospielen beschäftigt.

Einen leichten Anstieg gibt es immerhin bei der Anzahl der Unternehmen in Deutschland, die Spiele entwickeln und vermarkten. Waren 2019 noch 614 Unternehmen in diesen Bereichen aktiv, sind es aktuell 622. 

Möglicherweise hat die Branche auch inhaltliche Probleme, denn mit dem renommierten „Deutschen Computerspielepreis“ wurde in diesem Jahr als bestes deutsches Spiel „Anno 1800“ ausgezeichnet – es stammt von dem kanadischen Unternehmen Ubisoft.