BerlinWer noch zu Jahresbeginn beim Bäcker vier Schrippen kaufte und das „macht eins-vierundvierzig“ der Verkäuferin mit dem Zeigen einer EC-Karte beantwortete, riskierte wenigstens böse Blicke, oft eine Absage. Denn Plastikgeld war insbesondere im Backwaren-Fachhandel so unüblich wie der Umtausch einer Käsetorte. Doch seit Corona ist das anders. Die Bäckerei-Kette Steinecke etwa, die in Berlin und Umland mehr als 200 Filialen betreibt, hat den bargeldlosen Zahlungsverkehr in den vergangenen Monaten offensiv vorangetrieben. Mittlerweile werden in einigen Bäckereien des Unternehmens fast 40 Prozent der Einkäufe mit Karte oder Handy bezahlt. Ganz selbstverständlich.

Horst Rüter überrascht das nicht. „Die pandemiebedingte Krisensituation hat zu einem außerordentlichen prozentualen Wachstum kartengestützter Zahlungssysteme geführt“, sagt er. Rüter ist Chef des Forschungsbereichs Zahlungssysteme am wissenschaftlichen Institut EHI des Handels in Köln. Seinen Berechnungen zufolge wird der Anteil des Bargelds an den deutschen Einzelhandelskassen wegen der Corona-Pandemie in diesem Jahr um fünf Prozentpunkte zurück­gehen, der Umsatzanteil sogar noch etwas mehr. Rüter ist überzeugt: „Das Jahr 2020 wird als das wachstumsstärkste Jahr für unbares Bezahlen in Deutschland seit über zwei Jahrzehnten eingehen.“

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