Illustration der G-Objekte: Sie verhalten sich wie Sterne. 
Foto: Jack Ciurlo

Los AngelesAstronomen aus den USA haben eine neue Klasse ungewöhnlicher Himmelsobjekte im Zentrum unserer Milchstraße identifiziert. „Diese Objekte sehen aus wie Gas, verhalten sich aber wie Sterne“, berichtet Teamleiterin Andrea Ghez von der University of California in Los Angeles. Ihr Team stellt die Entdeckung von vier bislang unbekannten Objekten dieser Art im britischen Fachblatt Nature vor. Damit erhöht sich ihre Zahl auf sechs, und die Forscher sprechen von einer eigenen Klasse astronomischer Objekte. Die genaue Natur dieser Himmelskörper ist unklar.

Verschmolzene Doppelsterne?

Eine Gruppe um Ghez hatte 2005 das erste derartige Objekt aufgespürt und es G1 getauft. Es kreist um das gigantische Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie und kommt diesem dabei gelegentlich sehr nahe. 2012 hatten Forscher um Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching ein zweites derartiges Objekt entdeckt, G2, das 2014 eng am zentralen Schwarzen Loch vorbeiflog.

„Zur Zeit seiner nächsten Annäherung besaß G2 eine wirklich seltsame Signatur“, sagt Ghez. „Wir hatten es zuvor gesehen, aber es sah nicht allzu merkwürdig aus, bis es sich dem Schwarzen Loch näherte und in die Länge gezogen wurde.“ Ein großer Teil seines Gases sei dabei weggerissen worden. Das Team hat nun vier weitere derartige Objekte in der Umgebung des supermassereichen Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße gefunden, G3 bis G6. Damit gebe es eine Population von G-Objekten.

Andrea Ghez nimmt an, dass es sich bei den sechs Objekten um miteinander verschmolzene oder noch verschmelzende Doppelsterne handelt. Bei der Annäherung an das Schwarze Loch verlor G2 zwar seine Gashülle, aber nicht den dichten Staubmantel innerhalb des Gases.

Einfluss auf Aktivität des Schwarzen Lochs

„Irgendetwas muss es kompakt gehalten und ihm ermöglicht haben, die Begegnung mit dem Schwarzen Loch zu überleben“, erläutert Ciurlo. „Das ist ein Hinweis für ein sternartiges Objekt im Inneren von G2.“ Die enorme Schwerkraft des Schwarzen Lochs könne eine Verschmelzung der Doppelsterne in den G-Objekten anstoßen, argumentiert Ghez.

Zugleich habe diese Population vermutlich Einfluss auf die Aktivität des zentralen Schwarzen Lochs, indem die G-Objekte es bei jedem Vorbeiflug mit abgesaugtem Gas fütterten. „Das Material, das durch die Gezeitenkräfte aus ihnen herausgerissen wird, wenn sie am zentralen Schwarzen Loch vorbeirauschen, muss unausweichlich in das Schwarze Loch fallen“, erläuterte Gehz' Kollege und Ko-Autor Mark Morris.

„Wenn das passiert, könnte es in der Lage sein, eine eindrucksvolle Feuerwerksshow zu produzieren, da das Material, das vom Schwarzen Loch verschluckt wird, sich stark aufheizt und reichlich Strahlung aussendet, bevor es hinter dem Ereignishorizont verschwindet.“