Hartnäckig wehren sich viele Menschen dagegen, die Sicherung ihrer Daten ernsthaft zu betreiben. 
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Das beliebteste Passwort in Deutschland im Jahr 2017? „123456“. Das beliebteste Passwort im Jahr 2018? „123456“. Und im vergangenen Jahr? Welch Überraschung: „123456“. Die Konstanz zeigt, wie hartnäckig viele Menschen sich dagegen wehren, die Sicherung ihrer Daten ernsthaft zu betreiben. Die Mahnungen von Edward Snowden, die weltweite Wannacry-Attacke und selbst das Leck zu Beginn des vergangenen Jahres, als die Daten von etwa Tausend Politikern, Prominenten und Journalisten in Deutschland von einem Amateur erbeutet wurden, haben daran nichts geändert.

Bequemlichkeit und Naivität 

Bei einer spontanen Umfrage im Freundeskreis kam heraus, dass   Bequemlichkeit und Naivität die Gründe für das fehlende Bewusstsein  sind. Wer auf Sicherheit setzt, muss sich ein eher sperriges Passwort überlegen, muss aushalten, dass die Programme seines Rechners   langsamer laufen und Schutzsysteme Geld kosten. Der Lohn dafür ist auf den ersten Blick dann nicht einmal sichtbar, denn wenn alle Sicherheitsmaßnahmen funktionieren, entsteht auch kein Schaden.

Der zweite Aspekt ist mit der Hoffnung verbunden, dass Angreifer eher kein Interesse an persönlichen Daten haben werden, weil es ja Milliarden Nutzer weltweit gibt. Was bei dieser Argumentation übersehen wird: Die Menschen verbringen immer mehr Zeit im Netz, benutzen immer mehr Geräte, die mit dem Netz verbunden sind, und produzieren dadurch immer mehr Datenmaterial – da ist es nur logisch, dass Kriminelle ein lukratives Betätigungsfeld im Digitalen erkennen. Wer hat nicht irgendwo seine Kreditkarten-Nummer hinterlegt oder die Kopie seines Personalausweises gespeichert? So etwas kann in kriminellen Kreisen Geld bringen.

Hersteller sträuben sich, ein Sicherheitsupdate anzubieten

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt, der von vielen gerne übersehen wird: Wer Haushaltsgeräte mit Netzzugang verwendet wie den Sprach-Assistenten Alexa, der braucht auch für diese Geräte von Zeit zu Zeit ein Sicherheitsupdate. Viele Hersteller sträuben sich, diesen Service anzubieten – aus Kostengründen.

Aber nicht nur im Privaten werden schwerwiegende Fehler gemacht. Die Attacken auf das Kammergericht in Berlin und das Rathaus in Potsdam vor wenigen Tagen haben gezeigt, dass auch der öffentliche Sektor einen enormen Nachholbedarf hat, wenn es um eine verlässliche Infrastruktur geht. Klar ist auch: Je leichter den Angreifern die Arbeit gemacht wird, umso mehr Interesse haben die Kriminellen. Und anders als Einbrecher müssen sie nicht mehr direkt vor Ort sein, um ihre Taten zu begehen. Das geht weltweit, wenn ein Zugang zum Internet vorhanden ist. Übrigens sind die Staatsbehörden kein sonderlich zuverlässiger Verhinderer von Straftaten, denn die Geheimdienste halten entdeckte Sicherheitslücken gerne zurück, damit sie die Schwachstellen für eigene Angriffe nutzen können.

Es braucht Vertrauen bei medizinischen Daten

Wem das schon zu kompliziert ist, der sollte sich nicht weiter mit der Zukunft beschäftigen, denn die Bedeutung von Daten wird weiter zunehmen, nicht nur weil die neue 5G-Technologie einen schnelleren Datentransfer ermöglichen soll, auch Rechner werden kompakter und Algorithmen cleverer. Autos können nur dann sicher ohne einen Menschen am Steuer unterwegs sein, wenn die Software zuverlässig funktioniert, ohne dass sie manipuliert werden kann.

Im Bereich der Medizin hoffen die Wissenschaftler, dass sie im Kampf gegen Krebs und Alzheimer mit persönlichen Informationen der Patienten weiterkommen. Auch im Kampf gegen die Verbreitung von Krankheiten können Daten eine wichtige Rolle übernehmen. Das aber setzt Vertrauen voraus. Vertrauen in eine sichere Infrastruktur und einen gewissenhaften Umgang mit den sehr sensiblen medizinischen Informationen.

Niemand kann zurzeit vorhersagen, wie lange es dauern wird, bis die Menschheit den nächsten Schritt der industriellen Revolution gemeistert haben wird. Was aber sicher ist: Medienkompetenz wird dabei ein sehr wichtiger Faktor bleiben.