Kabel sind unschön. Sie schlängeln sich in wirren Wülsten an den Fußleisten entlang. Es wären noch viel mehr, hätte sich nicht in den vergangenen Jahren eine neue Technologie verbreitet. WLAN (Wireless Local Area Network) hat den Zugang zum Internet unsichtbar gemacht – allerdings nur für den Bau des menschlichen Auges. Könnte man die drahtlosen Netze sehen, sie lägen wie ein wabernder Nebel über den Städten.

Die Astrobiologin Marilyn Browning Vogel vom Ohlone College in San Francisco hat die Funksignale gemeinsam mit dem Grafiker Nickolay Lamm in Illustrationen visualisiert. Diese breiten sich auf der National Mall in Washington zwischen den Bäumen aus. WLAN-Strahlen reichen bis zu 300 Meter weit und werden nicht nur von Wänden, sondern auch von Bäumen gedämmt. Über weitere Antennen lässt sich das Feld aber erweitern – so gibt es überall im Park Zugang zum Internet.

Die Funkverbindungen funktionieren über elektromagnetische Wellen. Davon ist die Welt mittlerweile übervoll – ohne, dass wir es sehen, schmecken oder riechen können. Sie bringen Radio und Fernsehen ins Haus. In der Mikrowelle erhitzen sie das Essen. Beim Röntgen durchdringen sie Weichteile, im Alltag verbinden sie uns über Handys. Die verschiedenen Wellen unterscheiden sich durch ihre Länge.

Je höher die Frequenz – also die Schwingung pro Sekunde – desto kürzer ist die Welle. „Bei WLAN ist der Abstand zwischen den Wellen kürzer als bei Radio- und länger als bei Mikrowellen“, sagt Marilyn Browning. Bis zu den Spitzen seien sie zwischen 8 und 13 Zentimetern hoch. Elektromagnetische Wellen sind so etwas wie Packesel, die Daten transportieren. Durch Modulation werden ihnen Informationen aufgeprägt, die sie übertragen.

Auch ohne die Wellen sehen zu können, haben viele Menschen Angst vor der Strahlung. Sie verdächtigen sie als Verursacher von Kopfschmerzen und anderen Krankheiten. Unumstritten ist, dass elektromagnetische Strahlung einen erwärmenden Effekt auf den Körper haben kann. Dazu müsste sie aber entweder sehr stark sein oder ihre Quelle nah am Körper liegen. Die Intensität nimmt ab, je weiter man vom Sender entfernt ist. Der größten Strahlung ist man im Alltag nicht durch WLAN ausgesetzt, sondern mit dem Handy direkt am Ohr.

Wissenschaftler nutzen den SAR-Wert, um anzugeben, wie viel Energie – bezogen auf ein Kilogramm Körpergewicht – dabei in den Körper gelangt. In Tierversuchen zeigten sich Auswirkungen erst bei einer dauerhaften Ganzkörperbestrahlung mit mehr als 4 Watt pro Kilogramm (W/kg). Der in Deutschland zulässige Grenzwert liegt bei 0,08 W/kg für den ganzen Körper und 2,0 W/kg für Teile des Körpers.. „SAR-Werte durch WLAN-Geräte bleiben in der Regel und besonders bei körperfernem Betrieb deutlich unterhalb der empfohlenen Höchstwerte“, heißt es beim Bundesamt für Strahlenschutz.

Dass die Strahlung außer dem erwärmenden Effekt noch andere schädliche Auswirkungen haben kann, zum Beispiel Krebs, konnte bisher nicht bewiesen werden. Es fehlt jedoch an Langzeit-Untersuchungen der noch jungen Technologie. Wer sicher gehen will, sollte seinen Router in die Ecke der Wohnung stellen, wo er sich am seltensten aufhält, und ihn ausschalten, wenn er nicht gebraucht wird. Oder doch zum hässlichen Kabel greifen.