Heutzutage werden mehrere Geräte im Haushalt eingesetzt. 
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BerlinManche Dinge altern schnell. Ich ahne es nicht, weil sich bestimmte Gegenstände äußerlich nicht verändern – plötzlich sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Natürlich achte ich auf Verfallsdaten: Lebensmittel kommen nach einem aufgedrucktem Datum weg. Kartoffeln, wenn die Sprossen länger als einen Zentimeter sind. Obst und Gemüse, wenn es matscht, hart wird oder fleckig. Aber was ist mit neuer Technik? 

Ich rede nicht von vernetzten Kühlschränken, sprachgesteuerten Assistenzsystemen oder von der Wohnungslüftung per App. Radarsensoren können den Klositz der Höhe eines Platznehmenden anpassen, an etwas erinnern, die Beleuchtung regeln, Alarm auslösen, den Energieverbrauch optimieren. Moderne Menschen wohnen so. Ich nicht. Ich wollte mich nur in einem kleinen Bereich, den ich auch für meine Arbeit brauche, dem Fortschritt nicht verweigern.

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Billiger, aber besser?

Deshalb habe ich mir einen neuen Fernseher, einen neuen Computer und einen neuen Drucker gekauft. Das alles kostet heutzutage weniger, als ich gedacht hatte. Freunde, Bekannte und Werbespots hatten zum Smart-TV geraten – das sind Fernseher mit Computer-Zusatzfunktionen wie Internet. Für mein neues Gerät stand in einer Kundenbewertung: „Auspacken, Aufstellen, menügeführte Einrichtung ... läuft! Kinderleichte Einrichtung der Empfangsparameter sowie Netzanbindung und Pereferiegeräte wie zum Beispiel Soundbar. Elegante Features wie Streaming. Wertige Verarbeitung und eleganter Standfuß. Kauf nicht bereut.“

Peripherie hatte der Kunde falsch geschrieben, und ganz so einfach war es dann doch nicht. Glücklicherweise habe ich einen technisch begabten Schwiegersohn. Er hatte mich schon beim Kauf begleitet. In meiner Wohnung folgte er gleich dem „Quick Setup Guide“, steckte dann mehrere Stunden Kabel rein und um und telefonierte zwischendurch. Er ging als Held. Hilfe beim Computer hatte meine Tochter angeboten. Der Beweis ihrer Fähigkeiten ist dieser Text – den habe ich auf dem neuen Gerät geschrieben.

Altes weg, Neues her

Auf dem neuen Drucker ausdrucken konnte ich ihn noch nicht, weil sich die beiden Geräte „jetzt kennen“, wie meine Tochter sagte, aber „das WLAN nicht teilen“. Der alte Computer, gekauft vor sechs Jahren, hatte das Betriebssystem Yosemite, es entspricht in der analogen Welt offenbar der Keilschrift und kann nicht mehr aufgerüstet werden. Der alte Drucker musste weg, weil er keinerlei Beziehung mit dem neuen Computerbetriebssystem Catalina eingehen wollte.

Während meine Tochter Fachliches las und Tasten probierte, wollte ich mit meiner Enkelin im Smart-Fernseher einen Kinderfilm ansehen – auf Netflix. Aber der Film brach immer wieder ab, weil wohl, sagt meine Tochter, mein Internet für TV und Computer zusammen „zu schwach“ sei. Da wollte ich mit dem Enkelkind Karten spielen.

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Ich weiß, dass Erwachsene bei Memory gegen Kinder nicht gewinnen können. Die Kleinen haben im Kopf noch Speicherplätze frei, die unsereiner längst durch Wissen und Nachdenken besetzt hält. In unserem Fall wurde das deutlich. Das Kind hatte bald dreizehn Pärchen, ich keines. „Du merkst dir wohl gar nichts mehr“, sagte die Vierjährige. Das ist übertrieben, aber die Richtung stimmt.

Regine Sylvester liest am 1. April 2020 aus ihren Kolumnen. Pfefferberg Theater, 20 Uhr